Dankesworte auf Arabisch – ein Abschiedsbrief

    „Ich bin müde und hilflos zu Euch gekommen, weil ich nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit suchte. Hier habe ich alles gefunden. Hier weiß ich, dass man als Mensch einen Wert hat.“

    Dies sind nur einige der bewegenden Worte, die ein Bewohner der Erstaufnahme Münzstraße zum Abschied in einem Brief an das Team der Einrichtung gerichtet hat. In seinen Dank, auf Arabisch verfasst, schließt er auch die Wachleute, Dolmetscher, Küchen- und Reinigungskräfte ein.

    „Wir erleben nicht oft, dass man uns so herzlich dankt“, sagt der kommissarische Teamleiter Dirk Bustorf. „Der Brief ist eine tolle zusätzliche Motivation für uns.“

    Übersetzt hat den Brief ein Wachmann.







    Den kompletten Brief lesen Sie hier:


    Hallo liebe Mitarbeiter des Camps Münzstraße,

    ich entschuldige mich, dass ich nicht Deutsch spreche und mich nicht persönlich mit Euch unterhalten kann. Ich bin dabei Deutsch zu lernen. Ich habe einen Security-Mitarbeiter gebeten, meinen Brief zu übersetzen.

    Ich hoffe, dass Ihr in mir keinen bösen aggressiven Mensch seht. Ich habe gesehen und gehört, dass jemand sagte, "Er ist böse und aggressiv". Bitte seht mich nicht als einen bösen Menschen. Als ich im Iran zum Tode verurteilt wurde, habe ich den Richter gefragt, "Warum?" Der Richter sagte "Du bist ein schlauer Mensch. Du bist zwar ein Verbrecher, aber Du bist sehr schlau, deshalb müssen wir dich töten." Ich habe ihn um lebenslange Haft gebeten.

    Ich bin müde und hilflos zu Euch gekommen, weil ich nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit suchte. Hier habe ich alles gefunden. Hier weiß ich, dass man als Mensch einen Wert hat.

    Im Iran hat man mir beigebracht, zu töten, zu morden und auf den Abzug der Pistole zu drücken. Mir wurde beigebracht, dass man auf dieser Welt niemanden achten soll und niemand etwas Gutes tun.

    Als ich hier mit meiner Krankheit ankam, gabt Ihr mir neues Leben. Ihr schicktet mich zur Therapie. Ihr behandelt mich mit Respekt und Liebe. Mein Leben im Iran war die Hölle. Ich habe viele Fehler gemacht. Ich bereue jede Sekunde meines Lebens.

    Ich bin Euch dankbar. Ihr helft mir viel. Ihr setzt Euch ein, damit es mir gut geht. Soetwas kenne ich nicht. Ich sehe viele undankbare Mitbewohner und das tut mir weh. Ihr habt mir gezeigt, wie man miteinander umgeht, wie man seine Mitmenschen lieben kann. Ihr habt mir ein neues Leben geschenkt. Für alle diese Geschenke werde ich Euch ein Leben lang dankbar sein. Ihr macht keinen Unterschied zwischen Hautfarbe, Nationalität und Rasse.

    Ich werde bald umverteilt und verlasse Euch hier. Ich werde Euch alle vermissen. Ich hätte mir gewünscht, dass es in meinem Land auch solche Menschlichkeit und friedliche und hilfsbereite Menschen gegeben hätte. Dann hätten wir auch bei unserer Familie bleiben können.

    Ich bemerkte hier, dass ihr alle Krieg und Gewalt hasst und Ihr alle friedlich miteinander umgeht. Ich wollte am Anfang alles ignorieren. Dann habe ich bemerkt, dass es schön ist, als Mensch respektiert zu werden.

    Ihr habt mir ein neues Gefühl von einem besseren Leben gegeben. Ihr habt mir das Hassen weggenommen. Alles was mir im Leben beigebracht wurde, war falsch. Aus mir hatten sie ein Tier gemacht. Jetzt weiß ich, dass ich als Mensch funktioniere. Unbewusst habe ich Dinge getan, die ein normaler Mensch nie tun würde. Zum Schluss will ich mich bei allen bedanken, die mir geholfen haben.

    Danke an das Sozial- und Unterkunftsteam
    Danke an das Security-Team
    Danke an das Küchenteam
    Danke an das TD-Team
    Danke an das Übersetzerteam
    Danke an das Reinigungsteam.

    Ich hoffe, Ihr vergesst mich nicht.

    Öffentlichkeitsarbeit/ Pressesprecherin

    Susanne Schwendtke

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    Fax. (040) 42 83 5 - 3584

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