Idee zum Film "Helen Strohschein"

Die Idee, ein Portrait über eine obdachlose Frau zu entwerfen, entstand aus meiner Empathie für obdachlose Menschen. Ihre Situation hat mich, seit ich mich in Großstädten bewege, immer berührt und interessiert – auch, weil das Schicksal dieser Menschen in mir als prekär lebende Künstlerin existenzielle Ängste auslöst. Eine obdachlose Frau habe ich deshalb als Protagonistin gewählt, weil Obdachlosigkeit bei Frauen stärker als bei Männern schambehaftet zu sein scheint und weil Frauen sich in besonderem Maße schützen müssen. Das ist vermutlich die Erklärung dafür, dass sie im allgemeinen Straßenbild kaum wahrnehmbar sind. Darüber wollte ich mehr erfahren. Aufgrund des sensiblen Themas entschied ich mich gegen eine dokumentarische Form und drehte stattdessen ein fiktives Portrait mit der wunderbaren Schauspielerin Hedi Kriegeskotte.

Mit dem Film möchte ich vor allem Klischees und oberflächlichen Denkmustern über Obdachlosigkeit begegnen. Es soll vor Augen führen, dass es die von Gesellschaft und Politik suggerierten „Sicherheiten“ im Leben so nicht gibt, dass jeder von uns jederzeit von Obdachlosigkeit bedroht ist  –  unabhängig vom gesellschaftlichen Status. Ausgehend von dieser Erkenntnis skizziert das Portrait  „Helen Strohschein“ exemplarisch die Hilflosigkeit und Verzweiflung, der obdachlose Menschen ausgesetzt sind und zeigt, wie schwierig der Weg aus der Isolation, der Ausgrenzung „zurück“ in die Gesellschaft ist und wie unerlässlich es bleibt, sich trotz alledem seine Würde zu bewahren.

Das Portrait „Helen Strohschein“ entstand im Sommersemester 2009 im Seminar bei Prof. Wim Wenders und Sonja Umstätter an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Aufgabe für 12 TeilnehmerInnen war, in maximal drei Filmminuten einen Menschen zu „portraitieren“.

Marion Ram
Autorin und Regisseurin

Frauenzimmer-Team

Leitung: Sabine Kordt
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