Vom Armenhaus zum modernen Dienstleistungsunternehmen

fördern und wohnen ist ein Unternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg und steht in einer fast 400-jährigen Tradition öffentlicher Unterbringung in Hamburg.

Am Alstertor, wo sich heute das Thalia-Theater befindet, wurde zwischen 1619 und 1622 die Ursprungseinrichtung, das „Werk- und Zuchthaus“, gebaut, durch das sich soziale Fürsorge in der Stadt während des Dreißigjährigen Krieges erstmalig stärker institutionalisierte. In dem „ehrlichen Haus“ mischte sich Strafvollzug mit der Aufnahme von Flüchtlingen und obdachlosen Menschen. Hier bekamen sie etwas zu essen, hatten ein Dach über dem Kopf und wurden medizinisch versorgt.

Nach dem Großen Brand 1842 wurde die Einrichtung vor die Tore der Stadt nach Barmbek verlegt und es entstand die Außenstelle Farmsen.

Mit der Gründung des „Werk- und Armenhauses“ im Jahre 1852 wurden die Aufgaben des Strafvollzugs und der Fürsorge für arme und obdachlose Menschen endgültig voneinander getrennt und in die hamburgische Verwaltung integriert. Damit wurde der Grundstein für die staatlich finanzierte Wohlfahrtspflege gelegt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde aus dem Werk- und Armenhaus eine „Wohlfahrtsanstalt“, in der psychisch kranke Menschen, jugendliche Obdachlose, Wanderer, alkoholabhängige Menschen und wohnungslose Frauen mit Kindern sowie Kranke und Gebrechliche lebten. Sie hatten angesichts der Wohnungsnot keine andere Wahl und waren oft unfreiwillig dort.

Während der Nazi-Diktatur
dienten die Fürsorgeheime, u.a. in Farmsen, der geschlossenen Unterbringung von Obdachlosen, Prostituierten, kleinkriminellen Wiederholungstätern und anderen sozial unangepassten Menschen.
Das Pik As und das Helmuth-Hübener-Haus, in dem bis heute obdachlose Menschen leben, waren Polizeigefängnisse. Hier wurden zahlreiche Juden und politische Gegner des NS-Regimes vor ihrem Weg ins Konzentrationslager interniert. Einer von ihnen war Helmuth Hübener, ein junger Verwaltungsangestellter der damaligen Hamburger Sozialbehörde. Er wurde von den Nationalsozialisten im Alter von 17 Jahren als Widerstandskämpfer hingerichtet. Er verbrachte seine letzten Lebensmonate im heute nach ihm benannten Helmuth-Hübener-Haus, dem ehemaligen Stadtgefängnis in der Neustadt.
Die „Stolpersteine“, die mit unserer Unterstützung vor dem Pik As verlegt wurden, erinnern uns heute daran, dass wir mit unseren Einrichtungen – auch wenn wir es gerne wollten – nicht nur in der Tradition eines am Wohle der Menschen orientierten Sozialstaates der Nachkriegsjahrzehnte stehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Stadt in Schutt und Asche und 30.000 Menschen mussten in Nissenhütten und Baracken leben.
Die Aufgaben der Versorgungsheime änderten sich nur langsam. Neben den Obdachlosen standen zwar alte und pflegbedürftige Menschen bei weitem im Vordergrund, daneben galt es aber auch, Kriegsbeschädigte, geistig Behinderte und psychisch Kranke, Suchtkranke und gefährdete Mädchen unterzubringen. Für die Älteren wurden bestehende Altenwohnanlagen, z.B. in Groß Borstel – einem heute denkmalgeschützten Schumacher-Bau – ausgebaut. Die an die Stadt übergegangenen Stifte, z.B. das Reventlow-Stift in Altona, wurden auch für diesen Personenkreis genutzt. Beide Wohnanlagen werden auch heute noch von fördern und wohnen als Betreutes Wohnen für Senioren betrieben.

Neue Gesetze und Erkenntnisse bewirkten in den sechziger Jahren eine große Veränderung für das bis dahin weitgehend bestehende System der „geschlossenen Fürsorge“, wie das Inkrafttreten des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG). Es definierte erstmalig einen individuellen Rechtsanspruch zur Überwindung definierter sozialer Probleme. Dieser bahnbrechende Gedanke konnte beim damaligen Amt für Heime nur langsam durchgesetzt werden, denn in unseren Einrichtungen lebten Pflegebedürftige und Behinderte, bei denen zunächst die Versorgung im Sinne von „satt, sauber, warm“ im Vordergrund stand. Individuelle Förderprogramme wurden erst später entwickelt.
Ein großer Fortschritt war die richterliche Anerkennung, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Das Heinrich-Eisenbarth-Heim für Männer übernahm deshalb die Funktion eines Fachkrankenhauses für Alkoholkranke. Heute ist der ehemalige Gutshof im Sachsenwald eine sozialtherapeutische Einrichtung der f & w Eingliederungshilfe für chronisch mehrfach beeinträchtigte suchtkranke Menschen. Das großzügige Gelände bietet den Menschen auch Beschäftigungsmöglichkeiten, z.B. in der Pferdepensionshaltung.

In den siebziger Jahren sorgten neue Konzepte für therapeutische und spezialisierte Angebote und die Qualifizierung der Mitarbeiter für mehr Professionalität und optimierte Leistungen.
Neue, große Herausforderungen für die Unterbringung von Menschen in Wohnunterkünften entwickelten sich in den achtziger und neunziger Jahren. Die Kapazitäten mussten hier auf bis zu 18.000 Plätze ausgebaut werden, weil zunehmend Asylbewerber, Spätaussiedler und Flüchtlinge nach Hamburg strömten. In diesen turbulenten Zeiten entstand nahezu wöchentlich ein neues Quartier. Die bekanntesten lagen auf der Elbe in Ovelgönne und waren sogenannte Wohnschiffe, z.B. die „Bibby Altona“. Auf engstem Raum lebten tausende Menschen, vor allem Familien mit Kindern.

Im Jahre 1991 wurde das Amt für Heime zunehmend in die Eigenverantwortung überführt und durch den Landesbetrieb Pflegen & Wohnen abgelöst. Eine weitere Verselbständigung und Ausgliederung aus der Sozialbehörde erfolgte 1997 mit der Gründung von pflegen & wohnen als Anstalt des öffentlichen Rechts mit den drei Geschäftsbereichen Pflegezentren, Wohnunterkünfte und Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Für das Unternehmen bedeutete dies die wirtschaftliche Eigenverantwortung und Aufgabenerfüllung im Wettbewerb mit anderen Anbietern bei gleichzeitiger Einbindung in die hamburgische Sozialpolitik.

Am 1. Januar 2007 wurden die Pflegezentren privatisiert. Die Geschäftsbereiche Wohnen und Eingliederungshilfe verblieben weiterhin unter der Trägerschaft der FHH und erhielten den Namen f & w fördern und wohnen AöR.


Heute und für die Zukunft
ergeben sich für das Unternehmen f & w neue Herausforderungen. Im Bereich Wohnen sind neue, bedarfsgerechte Konzepte und spezialisierte Angebote für wohnungslose Menschen zu entwickeln. Die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften ist qualitativ zu verbessern. Weiter auszubauen ist der Bereich Mietwohnen Hamburg, mit derzeit rund 400 Mietwohnungen, die wir an ehemals wohnungslose Alleinstehende und Familien vermieten.
Für die f & w Einrichtungen der Eingliederungshilfe ergeben sich durch die Ambulantisierung neue Handlungsfelder. Hier steht die Förderung eines selbstbestimmten Lebens der Klienten im Vordergrund.

Die Leistungspalette unseres Unternehmens hat sich von der ersten Einrichtung bis hin zur heutigen, staatlich finanzierten, differenzierten Wohlfahrtspflege kontinuierlich entwickelt. Sie ist beispielhaft für ein historisch gewachsenes Verständnis von einer erweiterten gesellschaftlichen Verantwortung.
Wir verstehen uns als zukunftsorientierter sozialer Dienstleister und arbeiten mit sozialem Engagement und Professionalität sowie mit hoher Qualität und Wirtschaftlichkeit. Wir entwickeln und optimieren unsere Leistungsangebote im Rahmen der fachlichen und finanziellen Maßgaben unserer Auftraggeber und stellen uns dabei dem Wettbewerb mit anderen Anbietern sozialer Dienstleistungen.

Assistenz der Geschäftsführung

Veronika Adler
Grüner Deich 17
20097 Hamburg

Fax. (040) 42 83 5 - 3584

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