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Seit 2019 hat Fördern & Wohnen ein Team von 4 Straßen-Sozialarbeiter:innen. Sie sprechen 7 Fremdsprachen .„Visite Sozial“ sucht obdachlose Menschen in ganz Hamburg auf, begleitet sie zu Behörden oder Einrichtungen und betreuen Klient:innen in Einzelfallarbeit. Beim Krankenmobil der Caritas verbinden sie niedrigschwellige Krankenversorgung und Sozialberatung. Hannes Zeiner berichtet über die Herausforderungen in der niedrigschwelligen Obdachlosenhilfe in Hamburg.

Wo waren Sie und das Team heute unterwegs – und wie konnten Sie helfen?

Ein Kollege und ich waren heute am Flughafen, Langenhorn und in der Schanze aufsuchend unterwegs – Hamburg ist eine große Stadt. Man mag es sich kaum vorstellen, aber auch am Flughafen gibt es obdachlose Menschen. Wir arbeiten dort eng mit dem Pastor der Flughafen-Seelsorge zusammen. Aktuell ging es um eine ältere kranke Frau, die nach längerer Zeit wieder nach Deutschland zurückkommen möchte und einen paranoid-schizophren Mann mit phasenweise aggressivem Verhalten. Für beide suchen wir gerade eine geeignete Unterkunft.

Welche Menschen begegnen Ihnen bei der Arbeit?

Viele sehen häufig in den obdachlosen Menschen eine homogene Gruppe. Wenn wir in den letzten Jahren allerdings etwas gelernt haben, dann über die Vielfältigkeit dieser Menschen und ihrer Geschichten. Jede ist individuell und einzigartig.

Uns begegneten beispielsweise der litauische Kriegsveteran, der in den 80ern in Afghanistan gekämpft hat und seine Erlebnisse nie verarbeitet hat; die bulgarische Frau, die lange als Servicekraft gearbeitet hat und nach ihrer Krebserkrankung von ihrem Partner auf die Straße gesetzt wurde; der der Projektmanager, der nach einem schweren Burnout obdachlos geworden ist. Es sind über 2.000 unterschiedliche Geschichten, Erfahrungen und Schicksale.

Für uns bedeutet dies bei der Aufsuche oft ein tiefes Eintauchen in eine Lebenswelt fernab dessen, was gemeinhin als Normalität gilt. Häufig sind es für uns die kleinen und großen Erfolge, die uns in unserer täglichen Arbeit motivieren: Ein Palliativfall, dem wir ein Sterben in einem Bett ermöglicht haben oder der Haftentlasse, der inzwischen in Teilzeit arbeitet und auf seine eigene Wohnung wartet – oder das obdachlose Paar, dass eine Therapie begonnen hat und nun in einer öffentlich-rechtlichen Unterkunft lebt.

Wie hat sich die Straßensozialarbeit verändert? Was wünschen Sie sich?

Unsere Arbeit wird immer anspruchsvoller und vielfältiger: Einerseits nehmen die Problemfelder und zum Teil auch die Komplexität der Fälle zu. Anderseits haben sich viele Einrichtungen im sozialen System in den letzten Jahren immer weiter spezialisiert. Es fällt zum Teil schon schwer, den Überblick zu haben. Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen den einzelnen Einrichtungen im Interesse unserer Klient:innen.

Auch da fällt mir ein Beispiel ein: Wir begleiten seit Längerem eine Transfrau, die aufgrund mehrfacher Gewalterfahrung psychisch schwer erkrankt ist. Da kommen viele Themen zusammen, die in fachlichen Kreisen als multiple Problemlagen bezeichnet werden. Hier sind es unterschiedliche Hilfsangebote, die ineinander greifen müssten, um ihr zu helfen: Erst den Draht und (das) Vertrauen zu ihr herstellen, ihr einen geschützten Platz für LSBTQ-Personen in einer Unterkunft vermitteln, therapeutische und medizinische Hilfe anbahnen – all das ist nur mit einer Krankeneinsicht und Kooperation der betroffenen Person möglich – und natürlich ist viel Geduld von unserer Seite erforderlich.

Mehr erfahren: Straßen-Sozialarbeit

Zwei Straßensozialarbeiter:innen sprechen mit obdachlosen Mann

Allgemeine Kontaktdaten Fördern und Wohnen

  • Fördern & Wohnen
    Heidenkampsweg 98
    20097 Hamburg
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