5 Fragen an den Freiwilligen Gerd Lammers

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Der gebürtige Ostfriese lebt seit seiner Schulzeit in Hamburg. Seit 2015 ist der Feinmechaniker und Physiker in Rente. Von 1993 bis 2010 engagierte er sich in der Wohnunterkunft Tessenowweg – und reparierte jeden Freitag Fahrräder für Wohnungslose und Geflüchtete. Als er nach Rahlstedt umzog, zog auch sein Engagement mit: Seit letztem Sommer baut er eine Fahrradwerkstatt in der Unterkunft Maienweg von fördern und wohnen (f & w) auf.

Was hat Sie dazu bewegt, sich zu engagieren?

Als Anfang der 90er-Jahre die Unterkunft im Tessenowweg gebaut wurde, war mir die Baustelle erst einmal im Weg, weil sie einen meiner Fahrradwege blockierte. Dann hab ich aber mitbekommen, dass da eine Unterkunft für Asylsuchende entstand.

Zunehmend flohen Menschen aus Afghanistan vor der Taliban und suchten hier Schutz, oder sie kamen aus den Balkanstaaten nach Hamburg. In dieser Zeit machte sich in Teilen der Bevölkerung eine ausländerfeindliche Stimmung breit und es kam zu mehreren Brandanschlägen: 1992 und 1993 auf Wohnungen von Ausländern in Mölln und Solingen mit mehreren Toten. Das hatte ich im Kopf, als ich ein paar Wochen nach Fertigstellung der Unterkunft bei der Teamleitung von f & w war – und ein abgelegtes Fahrrad mitbrachte, um es zu spenden.

Wir kamen ins Gespräch, und dabei entstand die Idee, die Fahrradreparatur anzubieten. Daraus hat sich das Engagement entwickelt.

Was ist wichtig beim freiwilligen Engagement?

Feste Termine: Die Fahrradwerkstatt öffne ich jeden Freitag. Es ist wichtig, dass ich regelmäßig und zuverlässig komme. Das Vertrauen ist groß. Als ich einmal bei Schneetreiben aus einer unerwarteten Richtung kam, höre ich die Bewohnerinnen und Bewohner noch sagen: „Hat gesagt – kommt".

Außerdem bin ich immer pünktlich in der Unterkunft, meist 10 Minuten früher. Wenn keiner kommt, warte ich noch mindestens eine halbe Stunde und gehe dann – auch im Winter habe ich das durchgezogen. Ich denke, dass ich in den nächsten Jahren bei Frost nicht kommen werde. Ich bin dann 70 Jahre alt und schließlich kein Yeti.

Wer profitiert von Ihrem Engagement?

Anfangs waren viele Erwachsene dabei. Nach einiger Zeit waren es überwiegend Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern. Die Kinder kommen mit eigenen Fahrrädern oder mit denen ihrer Geschwister.

Wie sieht Ihr wöchentlicher Einsatz aus?

Ein platter Reifen kommt am häufigsten vor. Anders als Profi-Werkstätten flicke ich die Schläuche noch, wenn es geht. Sonst habe ich immer Schläuche in allen Größen auf Lager. Für viele ist es spannend zu sehen, dass sich unter dem Reifen noch etwas verbirgt. Oft fehlt auch der Seilzug für eine Bremse oder ist gerissen. Dafür habe ich immer Ersatz dabei.

Werkzeug und Ersatzteile lagere ich in einem kleinen Container, den die Unterkunftsleitung von f & w für mich organisiert hat. Er hat sogar Strom und Licht. Die Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen ist wirklich perfekt.

Was sind Ihre schönsten Erfolgserlebnisse in der Werkstatt?

Auf die Frage „Kannst du mein Fahrrad schneller machen?" habe ich leichtes Spiel. Das Hinterrad schleift, und die Kette ist rostig: So etwas lässt sich schnell regeln. Nach einer Probefahrt höre ich dann meist: „Was hast du mit meinem Fahrrad gemacht? Es fliegt jetzt!“ Das ist der schönste Dank, den ich mir vorstellen kann.

Mehr erfahren: Freiwilliges Engagement bei f & w

Fahrradreparatur in Unterkunft
fördern und wohnen
Heidenkampsweg 98
20097 Hamburg
040 428 35 0
040 428 35 35 84