Aus der Geschichte: Vom Polizei-Asyl zur Notübernachtung für Obdachlose

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Der Name kommt von Polizei-Asyl, kurz „P.As.“, denn das Haus war bis in die 30er-Jahre der Hamburger Polizei-Behörde und dem Asylverein Hamburg („Verein gegen Bettlerei“) unterstellt. Die Unterkunft wurde von wohlhabenden Bürgervereinen mitfinanziert. „Stadtstreicher, Hafenlöwen und Tippelbrüder“ wurden hier in großen Schlafsälen beherbergt. Im Haus saßen damals Polizeibeamte – zur Kontrolle.

1913 bis 1932: 1. Weltkrieg und die Folgen

Das Nachkriegselend spiegelte sich in Übernachtungszahlen wieder: 1913 waren es 265 Übernachtungen, 1922 schon 600 Übernachtungen täglich. Die Betten wurden auf 1.350 Plätze aufgestockt. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise kam es zu Massenarbeitslosigkeit und 1929/30 zu 1. 600 Übernachtungen pro Tag.

1933 bis 1945: Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten bewerteten Obdachlose als „genetisch unrein, arbeitsscheu, selbstverschuldet“. Personen, die zu dieser Zeit im Pik As Unterschlupf suchten, liefen Gefahr, verhaftet und in das geschlossene Versorgungsheim Farmsen gebracht zu werden. Dort wurden sozial unangepasste Menschen entmündigt und misshandelt. Heute erinnern Stolpersteine vor dem Pik As an homosexuelle Obdachlose, die von hier deportiert und schließlich in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Durch Bombenangriffe 1943 verloren viele Familien ihre Wohnung und kamen im Pik As unter. 1945 zerstörte eine Bombe das 3. und 4. Stockwerk des Hauses vollständig. Das Gebäude wurde notdürftig repariert, die Instandsetzung erst 1950 abgeschlossen.

1945 bis 1960: Klare Regeln – ein Angebot der Obdachlosenhilfe entsteht

Nach dem 2. Weltkrieg öffnete man das Haus für die leidende Bevölkerung. „Zuflucht für alle“: Hier kamen Alte, Krätze-Patienten auf Station, „triebhafte Mädchen“, obdachlose Familien, Kriegsrückkehrer und Studenten unter. Es gab Säle mit Schlafplätzen für 200 bis 300 Männer. Im 3. und 4. Stock gab es 500 Plätze für wohnungslose Familien. Als Mitte der 1950er-Jahre wieder genug Wohnraum in Hamburg vorhanden war, konnten diese Plätze aufgelöst werden.

Mit dem Boom des Hamburger Hafens kamen die Hafenarbeiter zum Übernachten. Nachts spielten manche dort illegal um Geld. Um die verbotenen Glücksspiele zu unterbinden, wurden strengere Hausregeln eingeführt. Betrunkene Kiez- und Kneipenbesucher nutzten das Haus als billige Herberge. Von da an wurde die Bedürftigkeit jedes Übernachtenden geprüft. Ende der 1950er-Jahre war das Pik As nur noch nachts geöffnet und erhielt seine bis heute gültige Bestimmung: als Not-Übernachtung für obdachlose Männer.

1961 bis 1980: Neue Konzepte der Sozialarbeit

Das Gebäude beherbergte auf zwei Stockwerken Obdachlose. Zwei Etagen dienten als „Wohnheim“ für Haftentlassene, Kranke und Klienten des Sozialamtes. Die 1960er- und 1970er-Jahre brachten neue Theorien und Hilfskonzepte der Sozialarbeit hervor. Die riesigen Schlafsäle wurden in kleinere Räume umgebaut. Die Obdachlosenzahlen gingen zurück, es wurden Wohnheime für Menschen in schwierigen Lebenslagen geschaffen.

Seit den 1970ern arbeiten vermehrt Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der Einrichtung. Sie beraten und informieren über Wege aus der Obdachlosigkeit und über Hilfsangebote.

Das Pik As heute

Heute bekommt im Pik As jeder, der obdachlos ist, einen Schlafplatz. In Ausnahmen bekommen auch Frauen und Männer mit Hunden einen Platz. Ein Erfolg, den Fachkräfte von f & w erwirkt haben. Die Aufnahme erfolgt rund um die Uhr. 330 Plätze in 65 Zimmer mit zwei bis zwölf Betten hat das Pik As – inklusive Betreuung und ambulantem Dienst. Obdachlose Frauen finden seit 2001 im FrauenZimmer in Hamburg-Hohenfelde eine Anlaufstelle.

Mehr erfahren: Geschichte

Pik As - Übernachtungsstätte für Obdachlose
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