Aus der Geschichte von f & w: Das Versorgungsheim Farmsen

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1904 geht im ländlichen Farmsen eine große Zweigstelle des städtischen Werk- und Armenhauses in Betrieb: ein Komplex aus Wohn- und Verwaltungsgebäuden sowie Handwerks- und Landwirtschaftsbetrieben. Farmsen ist zwar bis 1937 von preußischem Gebiet umgeben, gehört aber seit 1567 zu Hamburg.

Zwangsfürsorge im Versorgungsheim

1930 leben im Versorgungsheim Farmsen etwa 1.400 Menschen, die durch Arbeitsmaßnahmen „rehabilitiert“ werden sollen. Doch es geht zunehmend um Zwang. Angeblich, um die Öffentlichkeit vor ihnen zu schützen, werden Alkoholkranke, Prostituierte und Menschen, die man als „Asoziale und Schwachsinnige“ bezeichnet, zwangseingewiesen und geschlossen untergebracht. Sie werden entmündigt, zu harter Arbeit gezwungen und körperlich gezüchtigt.

Freiheitsberaubung und Zwangssterilisation

Während des Nationalsozialismus werden in Farmsen zunehmend Homosexuelle und missliebige Jugendliche ihrer Freiheit beraubt. Über 1.200 Frauen werden zwangssterilisiert. Ab 1940 überstellt das Führungspersonal Insassinnen und Insassen an Einrichtungen, von denen aus sie in Konzentrationslager oder Tötungsanstalten deportiert werden. Der damalige Leiter der „Hamburger Anstalten“, in dessen Verantwortung dies alles geschieht, bleibt bis 1950 im Amt.

Erinnerungszeichen für die Opfer des Nationalsozialismus geplant

Auch diese gewalttätige Epoche gehört zur Geschichte von fördern und wohnen (f & w). Die Erinnerung an den Missbrauch städtischer Sozialeinrichtungen will f & w wachhalten. Am Eingang zum Farmsener Gelände erinnern Stolpersteine an Menschen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. Gemeinsam mit Pflegen & Wohnen Hamburg hat f & w die Initiative ergriffen, auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsheims Farmsen ein Erinnerungszeichen zu errichten.

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Luftaufnahme Zweigstelle Versorgungsheim Farmsen von 1908
Susanne Schwendtke, Pressesprecherin
Heidenkampsweg 98
20097 Hamburg
040 428 35 33 45
040 428 35 35 84