Aus der Geschichte von f & w: das Werk- und Armenhaus (1853 – 1919)

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Nachdem das Werk- und Zuchthaus 1842 beim „großen Brand von Hamburg“ zerstört wurde, errichtet die Stadt ab 1850 ein neues Werk- und Armenhaus. Doch der Name sorgt nur bedingt für Veränderung im Umgang mit den sogenannten „Insassen“.

Kranke, Obdachlose und „Sittenlose“

1853 sind die 6 Gebäude fertiggestellt. Sie bieten Platz für rund 700 Personen. Der neue Standort Barmbek liegt damals noch außerhalb der Stadtgrenzen. Die 3 Kernaufgaben des neuen Werk- und Armenhauses bleiben gleich: Erstens soll es Hamburgs Krankenhäuser von Pflegebedürftigen entlasten. Schon die Vorgänger-Einrichtung hatte zunehmend Kranke aufgenommen. Zweitens bietet das Werk- und Armenhaus obdachlosen Armen eine Unterkunft. Diese „freiwilligen“ Insassen sind verpflichtet, zu arbeiten. Von ihrem geringen Lohn müssen Sie Abgaben für ihre Unterbringung zahlen. Drittens bleibt das Werk- und Armenhaus eine „Korrektionsanstalt“, in der „Sittenlose“, „Arbeitsscheue“  oder unter „Schutzarrest“ gestellte Alkoholkranke geschlossen untergebracht sind. Somit bleibt der Charakter einer Zwangsanstalt – trotz Umbenennung – bestehen.

Zwangsarbeit im Werk- und Armenhaus

Das Haus soll weiterhin autark wirtschaften und mit Arbeit Armut bekämpfen. Neu ist hingegen, dass die verpflichtende Arbeit für die Insassen nicht mehr im Haus stattfindet: Handwerks- und Landwirtschaftsbetriebe, die um das Gelände herum angesiedelt sind, sorgen für die Arbeitsplätze. Die Tätigkeiten, die die Insassen auszuüben haben, bleiben anstrengend – und die Kontrollen und Strafen willkürlich.

Zweigstellen in Fuhlsbüttel und Farmsen

Weil die Hamburger Bevölkerung in den folgenden Jahren stark wächst, werden bald zwei Zweigstellen des Werk- und Armenhauses geschaffen: Zunächst 1868 in Fuhlsbüttel, wo fortan etwa 200 Personen untergebracht sind. Es handelt sich um überwiegend verurteilte, „arbeitsfähige“ Insassen. Als 1879 nebenan das neue Hamburger Zentralgefängnis eröffnet, wird ihm die Zweigstelle zugeordnet, womit die Haftvollstreckung im Werk- und Zuchthaus endet. In Farmsen wird 1904 eine weitere Zweigstelle in Betrieb genommen. Die Anlage wird bis 1912 zweimal erweitert. 1911 leben rund 2.000 Menschen in allen Hamburger Anstalten.

Umbenennung in „Staatliches Versorgungsheim“

Nach dem 1. Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise steigt die Zahl der Menschen, die auf öffentliche Fürsorge angewiesen sind, extrem an. Die Stadt reagiert mit einer Verwaltungsreform: 1919 wird das Werk- und Armenhaus in „Staatliches Versorgungsheim“ umbenannt. 1920 folgt die Gründung des Wohlfahrtsamtes, der Vorgängerinstitution der heutigen Sozialbehörde. Die ihr zugeordneten Einrichtungen heißen jetzt „Wohlfahrtsanstalten“ und werden umfassend ausgebaut.

Das Werk- und Armenhaus ist der Vorgänger des heutigen Pflegeheims PFLEGEN UND WOHNEN FINKENAU.

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