Aus der Geschichte von f & w: das Werk- und Zuchthaus (1619 – 1852)

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Die Versorgung von Armen und Obdachlosen wird in Hamburg ab dem frühen 17. Jahrhundert zur städtischen Aufgabe. Vor dem Hintergrund von Reformation und 30-jährigem Krieg entscheidet sich die Stadt für die Gründung eines Werk- und Zuchthauses. Der Name spricht für sich: Das Gebäude dient zeitgleich als Armenunterkunft und als Arbeitsanstalt mit harten Methoden.

Disziplinierung durch Arbeit

Denn die öffentliche Fürsorge verlangt eine Gegenleistung: Arbeit in den hauseigenen Produktionsstätten soll die Armen disziplinieren, von Straftaten und Bettelei abhalten und sie zu einem nützlichen Teil der Gesellschaft machen. Die Grenze zum Strafvollzug ist fließend: „Mutwillig“ Arme, wie Trinker, Spielsüchtige oder Kleinkriminelle werden zwangseingewiesen und haben keinen Ausgang. Das Personal hat die Aufgabe zu überwachen und zu disziplinieren. Bei Fehltritten verhängt es harte und willkürliche Strafen.

Unterkunft und Broterwerb für Arme

Für viele Menschen, die freiwillig kommen, ist das Werk- und Zuchthaus eine Chance, Geld zu verdienen, eine Unterkunft zu haben und verpflegt zu werden. Im Jahr 1726 sind im Werk- und Zuchthaus rund 2.500 „Insassen“ untergebracht, das entspricht knapp 3 Prozent der damaligen Bevölkerung Hamburgs.

1811 geschieht unter der französischen Besetzung Hamburgs die organisatorische Trennung in ein Werk- und Armenhaus einerseits und ein Zuchthaus andererseits, das als Gefängnis fungiert. Dennoch ändert sich nicht viel an der Vermischung von Strafvollzug, Zwangsarbeit und Armenfürsorge und beide bleiben darüber hinaus im selben Gebäude.

Gründe für den Bau: Reformation und 30-jähriger Krieg

Bis ins frühe 17. Jahrhundert leisteten vor allem Kirchen und Klöster Armenfürsorge in Hamburg. Im Zuge der Reformation rückten die Bekämpfung von Armut und Obdachlosigkeit in das Interesse der Stadtherren: Arbeit wurde als Weg verstanden, um Armut zu verringern.

Das Werk- und Zuchthaus wurde außerdem errichtet, da in Hamburg vermehrt Menschen Zuflucht vor dem 30-jährigen Krieg suchten. Zahlreiche Menschen aus dem Umland kamen in das als uneinnehmbar geltende Hamburg, Armut und Obdachlosigkeit nahmen zu.

Zerstörung durch den „großen Brand von Hamburg“

1842 wird das Werk- und Zuchthaus am Alstertor durch den „großen Brand von Hamburg“ zerstört. Als die Flammen sich dem Gebäude nähern, werden alle „Insassen“ in die Kirche St. Georg in Sicherheit gebracht. Die etwa 1.000 Personen große Gruppe darf die beengte Notunterkunft erst nach einem Tag verlassen und wird auf unterschiedliche Unterkünfte verteilt.

Erst 1850 findet in der Oberaltenallee in Barmbek die Grundsteinlegung für das neue Werk- und Armenhaus statt.

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Werk- und Zuchthaus
Susanne Schwendtke, Pressesprecherin
Heidenkampsweg 98
20097 Hamburg
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040 428 35 35 84