„Da sein! Seit 400 Jahren“ – fördern und wohnen feiert 400-jähriges Jubiläum

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Das städtische Sozialunternehmen fördern und wohnen (f & w) hat gestern 400-jähriges Jubiläum gefeiert. Zwar wurde f & w erst 2007 gegründet, doch seine Geschichte reicht bis 1619 zurück. Damals entstand am Alstertor, wo heute das Thalia Theater steht, das Werk- und Zuchthaus, Hamburgs erste städtische Fürsorge-Institution. Heute gibt f & w als Tochterunternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg wohnungslosen Menschen ein Zuhause und hält verschiedene Angebote für Menschen mit Behinderung bereit. Während der so genannten Flüchtlingskrise nahm f & w täglich mehrere hundert Neuankömmlinge auf und verdreifachte die Zahl seiner Mitarbeitenden.

Festakt mit Bürgermeister Tschentscher

Ein Festakt im Thalia Theater im Beisein des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher stand am Beginn des Jubiläumstages. Unter den rund 500 Gästen waren viele weitere hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Verbänden, Initiativen und kommunaler Wirtschaft. Bürgermeister Tschentscher sagte in seinem Grußwort: „fördern und wohnen ist heute ein modernes Sozialunternehmen und ein unentbehrlicher Partner für die Stadt. f & w sorgt nicht nur für ein ‚Dach über dem Kopf‘, sondern unterstützt Menschen auch dabei, ihr Leben aus eigener Kraft zu gestalten. Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich für ihre Arbeit und wünsche dem Unternehmen für die Zukunft alles Gute.“

In seiner Rede betonte Dr. Arne Nilsson, Sprecher der Geschäftsführung, den größten Erfolg habe f & w da, wo es sich selbst überflüssig mache: „Wir arbeiten darauf hin, dass Menschen wieder ohne uns zurechtkommen, in der Gesellschaft Fuß fassen und sich einbringen können.“ Rund 1.500 Mitarbeitende sind für f & w an rund 150 Standorten im Einsatz. Neben der Unterbringung spielen Beratung, Sozialraumarbeit und die Kooperation im Hamburger Hilfesystem eine wichtige Rolle.

Zukunftswerkstatt mit Fachleuten

f & w schaute anlässlich des Jubiläums auch in die Zukunft der sozialen Arbeit: Wie kann die soziale Stadt von morgen aussehen? Welche neuen Teilhabe-Chancen schafft die Digitalisierung, zum Beispiel für Menschen mit Behinderung? Gibt es bei der Migration einen 3. Weg zwischen Anpassung und Abgrenzung? Diese und weitere Fragen wurden gestern in einer „Zukunftswerkstatt“ mit rund 600 Fachleuten aus Hamburg und weiteren deutschen Städten debattiert.

Mehr erfahren: Programm der Zukunftswerkstatt

Historie

Die 400-jährige Geschichte der öffentlichen sozialen Fürsorge ist bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine Geschichte von Zwang, Bevormundung und Misshandlung. Im Werk- und Zuchthaus des frühen 17. Jahrhunderts bekommen Arme zwar Unterkunft und Essen und können etwas Geld verdienen. Doch Zwangsarbeit soll sie vom Betteln und von Straftaten abhalten. Die Strafen für Fehlverhalten sind hart.

Eine verbrecherische Zeit ist auch in den Hamburger Versorgungsheimen, wie die Werk- und Armenhäuser inzwischen genannt werden, die Zeit des Nationalsozialismus. Sozial unangepasste Menschen, Suchtkranke und Menschen mit Behinderung werden zwangsweise sterilisiert. Viele werden an Einrichtungen überstellt, von denen Transporte in Tötungsanstalten führen.

Erst in der allerjüngsten Geschichte von f & w, ab den 1960er-Jahren, kommt staatliche Wohlfahrt nach und nach dort an, wo sie heute steht: Menschen in Not erhalten ein Recht auf staatliche Hilfe ohne Gegenleistung. Sucht wird als Krankheit anerkannt. Menschen mit Behinderung dürfen selbst über ihr Leben bestimmen. Gerade weil diese Errungenschaften so jung seien, wolle man sich auf sie konzentrieren, so Geschäftsführer Nilsson: „Es kommt darauf an, das Erreichte zu festigen und zu verankern. Auf diesem Fundament können wir die Zukunft gestalten.“

Mehr erfahren: Jubiläum und Geschichte

 

Geschäftsführung, Staatsrätin Lotzkatz, Bürgermeister Tschentscher und Soziologe El-Mafalani

Dr. Arne Nilsson (Sprecher der Geschäftsführung von f & w), Petra Lotzkat (Staatsrätin der Sozialbehörde und Aufsichtsratsvorsitzende), Dr. Peter Tschentscher (Erster Bürgermeister), Roberto Klann (Geschäftsführer von f & w) und Migrationsforscher Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani

Fishbowl-Diskussion im Theaterfoyer
Seyran Ates im Gespräch
fördern und wohnen
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