Ein Netz, das auffängt: Das FrauenZimmer für obdachlose Frauen

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20 Prozent der Wohnungslosen sind Frauen, heißt es in der kürzlich veröffentlichten Studie zu Obdachlosigkeit in Hamburg. Nicht alle tauchen im Stadtbild auf. „Viele Frauen wahren gut die äußere Fassade und haben gelernt, sich anzupassen“, sagt die Leiterin des FrauenZimmers Sabine Kordt, „man nimmt sie nicht als obdachlos wahr.“ Das tun sie, um sich auf der Straße zu schützen, den Makel und die Scham der Obdachlosigkeit zu verbergen.

Schlafplatz und Rat im FrauenZimmer

Viele Frauen ohne Wohnung wissen sich anders zu helfen: sie schlüpfen bei Familienangehörigen unter, übernachten auf einer Couch bei Bekannten oder gehen in der Not auch problematische Beziehungen ein. Einen warmen, sicheren Schlafplatz und Rat finden obdachlose Frauen im FrauenZimmer in Hohenfelde. fördern und wohnen bietet dort 30 Übernachtungsplätze und 20 Zimmer zum Wohnen auf Zeit. Rund um die Uhr erhalten Frauen in der Übernachtung einen Schlafplatz. Sind alle Plätze belegt, schlägt das Team ein weiteres Bett auf. Jede Frau wird hereingelassen. Und auch wer Perspektiven klären will, ist willkommen. Tagsüber informieren die Sozialarbeiterinnen und -pädagoginnen täglich ab 8 Uhr über Hilfsangebote. Sie sind das Netz, das auffängt.

Scham abschütteln, Selbstwert aufbauen

Im FrauenZimmer können die Frauen im Kontakt mit den Mitarbeiterinnen wieder Vertrauen aufbauen, sichere Bindungen lernen und Konfliktfähigkeit erproben. „Es hat manchmal auch etwas von Nachbeeltern“, erklärt Kordt die Arbeit ihres 10-köpfigen Teams. Sie schenken den Frauen mit professioneller Bindungsarbeit wieder mehr Selbstsicherheit. Die Scham abschütteln, wieder Selbstwert aufbauen. „Wir geben viele Chancen, reden gut zu und zeigen Grenzen auf – mit uns können die Frauen lernen, die Welt wieder mit anderen Augen zu sehen.“

Erfolg in kleinen Schritten: Von der Straße ins Hilfssystem

Der Weg aus der Obdachlosigkeit ist mühsam und doch gibt es Erfolge, schildert die FrauenZimmer-Leiterin. So hat eine Frau, die viele Jahre mit ihrem Mann „Platte gemacht“ hat, über einen Schicksalsschlag den Weg ins FrauenZimmer gefunden. Ihr Ehemann erkrankte und kam ins Krankenhaus. Schließlich verstarb ihr einziger Gefährte, und sie war allein auf der Straße. Mittelos, nicht krankenversichert und nur mit einem Rucksack voller Hab und Gut stand sie in der Tür.

Sie übernachtete im FrauenZimmer. Das Team klärte Formalitäten, begleitete sie zu Arzt und Ämtern und unterstützte bei der Trauerbewältigung. Durch Leistungen des Sozialamts ist sie wieder in der gesetzlichen Krankenkasse. Bei der bezirklichen Fachstelle für Wohnungsnotfälle klärte sich ihr Anspruch auf einen Platz in öffentlich-rechtlicher Unterbringung. Sie bekam ein Einzelzimmer im ganztägigen Frauen-Wohnen des FrauenZimmers. Diese Plätze auf Zeit helfen, Tagesroutinen wie Einkaufen und Kochen und das Wohnen selbst zu erproben. Außerdem hat sie wieder ein Bankkonto und eine HVV-Karte.

Nun sucht sie ein Zimmer oder eine Wohnung für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, wo sie ambulant betreut wird. Ihren schweren Rucksack trägt sie immer eng bei sich. Eine alte Gewohnheit vom Leben auf der Straße. „Es sind kleine Schritte, aber die sind bemerkenswert für eine Person, die jahrelang obdachlos war“, betont Sabine Kordt.

Mehr erfahren: FrauenZimmer

Bett im FrauenZimmer
Susanne Schwendtke, Pressesprecherin
Heidenkampsweg 98
20097 Hamburg
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