Kein Tag ohne Struktur

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Andreas Schmidt ist einer von drei Beiräten der Begegnungsstätte Kaskadenpark von fördern und wohnen (f & w) in Jenfeld. Der 55-Jährige ist frisch rasiert und trägt das helle Haar zurückgekämmt. Er redet gern, interessiert sich für Sport, speziell für Fußball und Eishockey, und manchmal huscht ihm ein Lächeln über die Lippen. Schmidt wohnt im Wohnhaus Charlottenburger Straße von f & w im wachsenden Quartier Jenfelder Au. Sein 1-Zimmer-Apartment hat er selbst ausgewählt. 32,5 Quadratmeter und Sonnenseite. Nicht immer war in Schmidts Leben alles sonnig. Hier wird er von f & w ambulant unterstützt.

„Als Beirat habe ich eine Aufgabe“

Heute führt er Interessierte durchs Haus. Eine Besucherin fragt, ob er der Hausmeister sei. Er winkt ab: „Ich bin gerade zu einem der drei Beiträte hier gewählt worden“, und öffnet den Fahrrad- und Wäscheraum. Schmidt fühlt sich für Vieles im Haus verantwortlich. Routiniert prüft er die Abflusssiebe. Denn er mag Ordnung. Und seinen „Job“ hier. Als Mitglied des Beirats vertritt er die Interessen der Klientinnen und Klienten – bei der Freizeitgestaltung oder der Angebotsplanung im Treff. Auf Wunsch schlichtet er Konflikte oder hilft neuen Klienten und Klientinnen dabei, sich einzugewöhnen und zu integrieren. Alles passiert im engen Austausch mit dem Teamleiter Helge Skerswetat von f & w.

Von der Alkoholsucht losgekommen

Vorher lebte Andreas Schmidt, gebürtiger Hamburger, in Marienthal. Dann lange Zeit im Sozialtherapeutischen Zentrum Sachsenwaldau von f & w in Reinbek. Die Küchenarbeit und der Service im Café gaben ihm dort eine Tagesstruktur, um vom Alkohol zu lassen. Seit 5,5 Jahren ist er trocken. Wenn er die Kumpels zum Fußball trifft, trinkt er Cola. „Das weiß nun jeder, das hinterfragt auch keiner mehr.“

Er erinnert sich daran, als er nach einer 3-monatigen Reha in seine leere, ungeputzte Wohnung zurückkehrte. „Was war denn mit dir los, du warst doch mal Glaser?“ – und er sofort rückfällig wurde. Der gelernte Glaser, der Azubis anleitete, stürzte ab – mit der Kündigung. 1-Euro-Job, dann nur noch die falschen Leute. Seine Schwester – die Einzige aus der Familie, die noch lebt – organisierte ihm den Aufenthalt in einer Klinik. „Du hast nur noch uns“, wiederholt Schmidt ihre Worte.

Und er wusste spätestens mit dem Rückfall: „Es ist nicht 5 vor 12, es 10 nach 12.“ Er trat den 2. Entzug im Krankenhaus an und bekam schließlich den Platz in Sachsenwaldau, wo er endgültig den Alkohol hinter sich ließ. Dort halfen ihm die Gruppenbesprechungen, die Arbeit im Café und seine Bezugsbetreuerin in ihrer Beharrlichkeit. Und natürlich seine Schwester. Die besucht er regelmäßig. Schmidt lächelt: „Heute helfe ich ihr und meinem Schwager im Garten“.

Treffpunkt Kaskadenpark: Aktivitäten für alle

Schmidt hofft auf Begegnung im neuen Treffpunkt Kaskadenpark. Er und andere Mieterinnen und Mieter wollen hier regelmäßig mit anderen ins Gespräch kommen. Beim Strickcafé, gemeinsamen Frühstück und Abendbrot oder einfach nur bei einer Tasse Kaffee. Seit der Eröffnung im Mai ist der Treffpunkt offen für alle Menschen aus dem Stadtteil und der Umgebung.

Mehr erfahren: Treffpunkt Kaskadenpark

Mann sitzt auf Bett
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