Tschüss Sophienterrasse!
Teamleiterin Caroline Smolny vor der ehemaligen Unterkunft.
Im Januar 2016 brachte Fördern & Wohnen (F&W) in dem großen Verwaltungsgebäude in der Sophienterrasse, Ecke Mittelweg, erstmals geflüchtete Personen unter. Im Juni dieses Jahres wurde die Unterkunft nach fast 10 Jahren geschlossen. Teamleiterin Caroline Smolny packt die Kartons – und schaut zurück.
Ein holpriger Start, 9 ruhige Jahre
Bis 2012 diente das Gebäude als Standort des Kreiswehrersatzamtes. Die Stadt Hamburg kaufte es im Jahr 2014 mit dem Ziel, eine Wohnunterkunft zu errichten. Debatten um den Bebauungsplan des Grundstücks verzögerten die Eröffnung. Im Jahr 2016 bezogen 190 Bewohner:innen das Haus. Caroline Smolny leitete die Unterkunft seit ihrer Eröffnung.
„Hier war es immer ruhig. Die Familien und Kinder haben einfach ihren Alltag gelebt“, sagt sie, zwischen gepackten Kartons. Internationale Projekte, Kooperationen mit der Nachbarschaft, Sommerfeste, die ein oder andere Krisensitzung am langen Tisch – all das durchlebte die Sophienterrasse wie jede Wohnunterkunft.
Alltag im Villenviertel
Über die Jahre lebten viele Menschen in der Unterkunft im Villenviertel: Familien und Alleinstehende. Die Unterkunfts- und Sozialmanager:innen und die Hauswarte begleiteten die Bewohnerschaft.
Zwar gab es nicht viele Anknüpfungspunkte an das Viertel, in dem nur wenige Vereine und Gewerbe in unmittelbarer Nähe angesiedelt sind. Die Bewohnerschaft profitierte aber von einer guten Anbindung an Schulen und Kitas. „Die Kinder in der Unterkunft hatten immer große Träume über ihre Zukunft, und viele konnten oder können das auch erreichen“, so Smolny.
Die Kleinen im Mittelpunkt
Die Kinder brachten sich ein: Sie waren zum Beispiel Mülldetektive. Wenn jemand Müll nicht trennte oder aus dem Fenster warf, gingen sie ins Gespräch und klärten auf. Das Unterkunfts-Team förderte mit kindgerechten Events das Bewusstsein der Kinder für Mülltrennung und für ein ordentliches Umfeld.
Rund 40 Freiwillige waren bis zur Schließung aktiv. Sie boten Schulkinder-Clubs und Teestuben an.
Ein großer gemalter Baum schmückte eine Wand in einem Gemeinschaftsraum. Alle, die in der Unterkunft unterkamen, konnten ein Blatt anbringen und sich damit verewigen.
Umzug in Stadtviertel der Umgebung
Der Auszug war lange geplant. Das Team besprach individuell mit allen Bewohner:innen, welchen Stadtteilen sie nahestehen – wo ihre Schulen, Arbeitsplätze oder Sportvereine sind. Viele sind mit dem Bezirk Altona verbunden. Alle kamen in anderen Wohnunterkünften unter. Im Verlauf der Jahre fanden viele auch eigene Wohnungen.
Das 4-köpfige Team räumt das Gebäude leer und gibt es fristgerecht an die Stadt zurück. „Früher haben uns die Kinder fröhlich an der Bushaltestelle begrüßt, wenn wir angekommen sind“, sagt Smolny. „Das wird fehlen.“

