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Unterwegs mit einem Schnittkünstler

Mossa ist MITmacher: Als Friseur engagiert er sich im Übergangswohnen für ehemals obdachlose Menschen
13. November 2025

Ohne Unterlass fallen Strähnen zu Boden. Vor der Tür eine Schlange: Geduldig warten die Bewohner:innen des Übergangswohnens, bis sie an der Reihe sind. In der Einrichtung von Fördern & Wohnen (F&W) in Hamburg-Niendorf bietet Mossa, 34, samstags ehrenamtlich seine Frisierkünste an. 

MITmacher empowert Geflüchtete 

Vor 2 Jahren kam Mossa nach Deutschland. In Syrien lernte er das Handwerk und arbeitete als Herrenfriseur. Er floh vor dem Krieg – in ein Leben in Sicherheit. In Deutschland kann er als Friseur noch nicht arbeiten. Deshalb engagiert er sich bei den MITmachern, die er über Freunde kennenlernte. 

Die Hamburger Organisation MITmacher gUG vermittelt geflüchtete und migrierte Menschen ins Ehrenamt. Das stärkt die Menschen und ermöglicht ihnen Teilhabe. Rund 13 Freiwillige hat MITmacher im Laufe des letzten Jahres in Einrichtungen von F&W gebracht. Sie sind in unterschiedlichen Bereichen tätig, zum Beispiel mit Angeboten für Kinder, in einer Fahrradwerkstatt, in einem Smartphone-Kurs oder eben als Friseur. 

„Ich mache ein Ehrenamt, weil ich anderen Menschen helfen möchte, weil ich damit etwas Gutes tun kann. Und es hilft mir beim Deutschlernen“, sagt Mossa in die Kamera. Ein Filmteam der Organisation begleitet ihn: Sie wollen sein Engagement auch in den sozialen Medien sichtbar machen. 

Eine begehrte Dienstleistung 

Alle 3 Wochen schaut Mossa im Übergangswohnen von F&W vorbei. 10 bis 15 Personen frisiert er an einem Nachmittag. Pro Person braucht er etwa 15 Minuten, je nach Frisurwunsch auch etwas länger. 

Und die Plätze sind begehrt: Einige Bewohner:innen erzählen vor der Kamera, warum sie sich über das kostenfreie Angebot freuen. „Früher, auf der Straße, habe ich mir das Geld für den Friseur immer zusammengespart. Aber das dauert, bis man das Geld hat“, schildert Holger. Aufgrund einer starken Sehbehinderung kann er Gesichts- und Haarpflege nicht allein machen. 

Zeit geben und die Sprache lernen 

118 Plätze hält das Übergangswohnen für obdachlose Menschen bereit, die pflegerischen oder medizinischen Bedarf haben und sich nicht selbst helfen können. In Einzel- und Doppelzimmern kommen sie unter. Viele sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und haben chronische Erkrankungen. „Die Arbeit hier ist manchmal traurig, aber auch schön“, sagt Mossa. Die Leute freuten sich über die Zeit, die man ihnen gebe.

An diesem Samstag überreichen F&W und die MITmacher Mossa sein Ehrenamts-Zertifikat. 3 Monate hat er sich nun engagiert. Aber er mache weiter, sagt er. „In 3 Wochen komme ich wieder.“ 

Was er sich für die Zukunft wünscht? „Ich wünsche mir, dass ich gut Deutsch lerne. Und dass ich meine Familie wiedersehe“, betont Mossa. 


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