Ein Kompass durch das Hilfesystem

Beratungsstelle für Geflüchtete mit Behinderung von F&W: 3 Fragen an Teamleitung Monika Sabani zu ihrer Arbeit und aktuellen Lage
6. März 2026

Leitet die Beratungsstelle: Monika Sabani.

All unseren Bewohner:innen, die eine Behinderung oder chronische Erkrankung haben, steht die Beratungsstelle für Geflüchtete mit Behinderung und chronischer Erkrankung, kurz BeGeB, von Fördern & Wohnen (F&W) zur Seite. Das Team unterstützt bei Fragen rund um den Schwerbehindertenausweis, Antragstellung für Hilfsmittel, Pflege- und Eingliederungshilfeleistungen und mehr. 

Doch wie sieht der Alltag und die Situation geflüchteter Menschen mit Behinderung zurzeit aus? Auf welche Hürden treffen sie? Wir haben bei Teamleitung Monika Sabani nachgefragt. 

Frau Sabani, seit 2017 beraten Sie und Ihr Team Geflüchtete mit Behinderung und chronischer Erkrankung in Hamburg. Mit welchen Anliegen kommen die meisten Klient:innen zu Ihnen?

Aufgrund der häufigen körperlichen, geistigen oder kognitiven Einschränkungen der Klient:innen beraten wir die Menschen meistens in den Unterkünften, wo sie wohnen. 

Ihre Anliegen decken ein breites Spektrum ab. Am häufigsten wenden sich Geflüchtete mit dem Wunsch nach einem Schwerbehindertenausweis an uns. Vielen ist jedoch nicht bewusst, wofür er benötigt wird, ab welchem Grad der Behinderung er ausgestellt wird und was die Merkzeichen darauf bedeuten.

„Oft ermitteln wir erstmal zusammen mit den Bewohner:innen, was sie am meisten brauchen.“

Auch zu den Themen Pflege und rechtliche Betreuung haben die Klient:innen Fragen: Wer kann Pflegeleistungen beantragen und wo? Unter welchen Bedingungen bekommen pflegende Angehörige Pflegegeld? Welche Aufgaben umfasst eine rechtliche Betreuung? Auch im medizinisch-therapeutischen und Eingliederungsbereich leistet mein Beratungsteam grundlegende Aufklärungsarbeit.

Oft ermitteln wir erstmal zusammen mit den Bewohner:innen, was sie am meisten brauchen. Da es oft sprachliche Barrieren gibt, arbeiten wir mit Sprachmittler:innen. In der Regel wissen die Menschen nicht, welche Leistungen ihnen zustehen, und welche Anträge dahinführen.

Das Team berät zum Beispiel zur Antragstellung auf einen Schwerbehindertenausweis.

Auf welche Hürden treffen Menschen mit Behinderung zurzeit, wenn sie in Hamburg ankommen? Welche Lösungen können Sie anbieten?

Eine der größten Hürden für geflüchtete Menschen mit Behinderung beim Ankommen sind die komplexen Strukturen im gesundheitlichen Hilfesystem und den Ämtern. Diese sind häufig so vielschichtig, dass sie auch für Menschen ohne sprachliche oder kulturelle Barrieren schwer nachvollziehbar sind. Darüber hinaus stellen die langen Bearbeitungs- und Wartezeiten bei Anträgen eine erhebliche Belastung dar.

Wir als Beratungsstelle für Geflüchtete mit Behinderung und chronischer Erkrankung (BeGeB) sind 2017 gezielt als Antwort darauf eingerichtet worden. Das Unterkunfts- und Sozialmanagement (UKSM) in den Unterkünften hat meistens nicht ausreichend fachliche Expertise und Zeit, Bewohner:innen zu gesundheitlichen Fragen umfassend zu beraten.

„Wir begleiten die Menschen durch die behördlichen Verfahren, bis sie abgeschlossen sind.“

Deshalb ist unser Team gefordert: Das UKSM verweist die Menschen an uns. Wir erklären die Strukturen in einfacher Sprache, unterstützen bei der Orientierung im System und füllen Anträge gemeinsam mit den Klient:innen aus. Wir begleiten die Menschen durch die behördlichen Verfahren, bis sie abgeschlossen sind.

Die Beratungsstelle steht auch Kolleg:innen zur Seite. Mitarbeitende, die in Wohnunterkünften tätig sind, können sich mit Fragen rund um das Hilfesystem im Gesundheitswesen an uns wenden.

Wenn Sie zurückblicken: Welche Veränderungen an der Lage der Klient:innen nehmen Sie und Ihr Team wahr?

In den vergangenen fast 9 Jahren hat die Beratungsstelle … 

  • sich personell verfünffacht, denn unsere Unterstützung wird viel benötigt,
  • aufgrund hoher mentaler Belastungen sowohl unter Erwachsenen als auch unter Kindern steigende Zahlen an psychosozialem Unterstützungsbedarf verzeichnet,
  • lange Wartezeiten bei Therapieplätzen (vor allem Autismustherapie, Ergotherapie…) hinnehmen müssen,
  • eine spürbare Zunahme an Notwendigkeit barrierefreier Wohnungen verzeichnet.