Persönlich

„Jetzt kann man das wieder ein Leben nennen“

Seit 3 Jahren begleitet: Markus Levens über seinen Alltag mit Assistenz in der Sozialpsychiatrie
7. Mai 2026

Markus Levens vor dem Treffpunkt in Hamburg-Jenfeld.

Einmal in der Woche trifft sich Markus Levens mit seiner Bezugsassistentin. Ihr Büro ist nur 2 Minuten Fußweg entfernt: Denn Levens wohnt direkt am Treffpunkt Kaskadenpark von Fördern & Wohnen in Hamburg-Jenfeld. 

Assistenz um die Ecke 

Seit mehr als 30 Jahren ist Levens psychisch erkrankt. Wenn seine Krankheit zu akut ist, das Haus zu verlassen, kommt die Assistenzkraft zu ihm. Oft sprechen die beiden zusätzlich telefonisch miteinander. 

Früher hat Levens Assistenz bei einem anderen Träger wahrgenommen. Jedoch war die Distanz groß, die er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen musste. Den Weg konnte er aufgrund der Schwere seiner psychischen Erkrankung oft nicht auf sich nehmen. Hier, am Kaskadenpark, hat er seit 3 Jahren seine eigene kleine Wohnung. „Für mich funktioniert das Konzept. Hier bleibe ich.“

Kleine Schritte zu den Zielen

„Wir haben einen Katalog an Zielen fixiert, mit Zielen für das Jahr, den Monat, die Woche. Gemeinsam gehen wir Mikroschritte darauf zu“, erläutert Levens. „Die Aufgabe meiner Bezugsassistenz ist, mir die Ziele vor Augen zu führen. Und meine Aufgabe dabei ist, möglichst ehrlich und offen zu sein. Ich muss mitteilen, was mir leichtfällt, und wo ich Unterstützung brauche.“

Aufgrund seiner Erkrankungen ist eine enge Supervision durch pädagogische Fachkräfte für ihn wichtig. Seine Bezugsassistenz ist für ihn immer ansprechbar, oder sorgt für eine Vertretung. Der gute Personalschlüssel macht es möglich.

Alltag in der Gemeinschaft 

Im Treffpunkt Kaskadenpark in Hamburg-Jenfeld haben nicht nur die Teams der Assistenz in der Sozialpsychiatrie (ASP) ihre Büros. Auch Gruppenangebote finden hier statt. Levens sagt: „Jedes Hilfsangebot nehme ich mit.“ Freitags ist er im Treffpunkt für das Café verantwortlich. 2 Stunden lang schmeißt er den Laden zusammen mit einer Mitarbeiterin. Dazu gehört Kaffee kochen, Snacks zubereiten, Musik auflegen. Auch beim Akupunktur-Angebot, bei Festen, Vorträgen und Filmabenden trifft man ihn an. 

Sein Krankheitsbild lässt zu, dass er die Hilfe annimmt, die F&W ihm bietet. Nicht bei jeder psychischen Erkrankung ist dies der Fall.   

Der Gemeinschaftsraum

Teilhabe gewonnen 

„Ich bin einen sehr weiten Weg gegangen. Als ich hier ankam, war ich in einem desolaten Zustand und allein kaum lebensfähig“, macht Levens deutlich. „Hier ist mein Leben gut organisiert. Ich habe soziale Teilhabe und Sicherheit gewonnen, ich kann hier sein, wer ich bin.“ Er hat den Zug auf die Schiene gebracht, um geordnete Finanzen, ein sicheres Umfeld und körperliche Gesundheit zu erreichen. 

Welche Ziele hat er noch auf dem Plan? „Ich arbeite gerade gegen meinen übertriebenen Leistungsanspruch an mich und gegen meine Selbstabwertung. Ich muss mich immer noch gegen meine inneren Dämonen verteidigen“, so Levens. Dabei hilft ihm regelmäßige Bewegung. Auch einen Pflegegrad beantragt er, um in schlechten Zeiten gut versorgt werden zu können.