Sein dürfen
Das Team vom Frauen-JEP arbeitet am Einzelfall und gendersensibel.
Im Stadtteil Borgfelde, in einer kleinen Seitenstraße, gibt es 11 Plätze für 11 Frauen. Frauen zwischen 18 und 27 Jahren kommen hier unter. Und sie finden Unterstützung, die Wohnungslosigkeit hinter sich zu lassen. Wir sind da: Im Jungerwachsenen-Programm, kurz JEP, für Frauen.
Ein Raum ohne Vorurteile
Das Team begleitet die Bewohnerinnen in Einzelfallhilfe. Dank des guten Personalschlüssels können die Sozialarbeiterinnen die Bewohnerinnen individuell betreuen. Das bedeutet auch Beziehungsarbeit. „Die Frauen wissen, dass sie hier sie selbst sein dürfen. Das ist hier ist ein vorurteilsfreier Raum“, schildert Sozialarbeiterin Sophia Dimarch. Alle Mitarbeitenden, auch die Hauswarte, sind weiblich.
„So gut wie alle Frauen haben zuvor Gewalt erfahren. Psychische, körperliche oder sexualisierte Gewalt“, ergänzt Sozialmanagerin Inessa Störmer. Viele Frauen, die im JEP wohnen, kommen aus versteckter Obdachlosigkeit. Sie haben bei Bekannten geschlafen, in gewalttätigen Beziehungen gelebt oder haben ihre Wohnung verloren, weil sie nicht im Mietvertrag standen.
© Fördern & Wohnen / Heike Günther
Wie ein Chamäleon
Die Sozialmanagerinnen müssen für ihre Arbeit mit den Bewohnerinnen große Sensibilität und Empathie mitbringen. „Wir arbeiten sehr gendersensibel. Das ist unsere Identität als Team und macht unsere soziale Arbeit aus“, sagt Dimarch. Dies bringt mit sich, dass die Mitarbeiterinnen Geschlechterstereotype hinterfragen, die systematische Diskriminierung und Ungleichheit anerkennen, die besonders Frauen ohne Wohnung und Obdach erleben müssen, und sich und ihre Sicht auf Geschlechter stetig reflektieren.
Für Frauen ohne Wohnung
Interessierte benötigen einen Bescheid für öffentlich-rechtliche Unterbringung, der nachweist, dass sie wohnungslos sind. An insgesamt 3 Standorten in Hamburg können sich wohnungslose junge Erwachsene aller Geschlechter bewerben. Eine vordergründige Suchterkrankung oder psychische Erkrankung dürfen sie nicht mitbringen. Am Anfang steht ein Kennlerngespräch. Beide Seiten entscheiden dann, ob das JEP das Richtige ist. Die Klientinnen müssen bereit sein, mitzuwirken. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie wöchentliche Termine mit der zuständigen Sozialarbeiterin wahrnehmen.
Gemeinsam mit dieser machen sich die Klientinnen auf Wohnungssuche. Auf 6 Monate ist das Programm ausgelegt. Der angespannte Wohnungsmarkt erschwert die Suche sehr – keine Überraschung. Daher kann das Programm auf 1 Jahr verlängert werden, wenn die Klientinnen gut mitwirken. „Das JEP ist wie ein Chamäleon. Es passt sich seinen Fällen an, aber bleibt auch seinen Bedingungen treu“, sagt Dimarch.
© Fördern & Wohnen / Heike Günther
Der richtige Wohnraum zur richtigen Zeit
„Die Frauen gewinnen in ihrer Zeit hier Selbstvertrauen, wenn sie ihre Ziele erreichen können“, erläutert Sozialmanagerin Mabinty Camara. Zum Beispiel werden sie selbstbewusster, wenn sie es schaffen, ihre Schulden zu begleichen und ihr Leben selbst zu organisieren. „Die Frauen haben den großen Wunsch zu arbeiten und ins System zu passen“, sagt Camara.
Nicht alle schaffen das, denn für eigenen Wohnraum muss es den richtigen Zeitpunkt geben. Wenn der Zeitpunkt noch nicht gekommen ist, ist eine eigene Wohnung zu früh.
Die Nachfrage ist hoch und die Warteliste für das JEP lang. Sobald ein Platz frei wird, kann er nachbelegt werden. Frauen, die ausgezogen sind, betreut das Team noch 3 Monate nach, um sicherzugehen, dass sie gut untergekommen sind. Anschließend leben die Frauen selbstständig – sie brauchen die Sozialarbeiterinnen nicht mehr.