Vor Ort

Von Not. Leben. Und Schutz.

Ende des Winternotprogramms für Obdachlose: Ein Rückblick auf schöne und schwere Tage, Engagement und Kooperation
10. April 2026

5 Monate lang war das Winternotprogramm (WNP) für Obdachlose geöffnet. An 2 Standorten in Hamburg hat Fördern & Wohnen Menschen ohne Obdach warme Schlafplätze gegeben. 700 Betten standen zur Verfügung. Teamleiter:innen Lukas Klenke und Nadine Voß blicken zurück.

Hilfe, Schutz, Engagement, Leben

„Jeder Tag ist anders. Das WNP ist Action ohne Ende, lebhaft, aufregend“, sagen beide. „Es war wirklich dauernd etwas los, ein Auto vor der Tür hat gebrannt, wir hatten medizinische Notfälle, Feuerwehreinsätze … aber wir haben das Wichtigste geschafft: Dass alle satt waren, ein warmes Bett hatten. Es war sauber, es war warm“, so Voß. 

Ein externer Pflegedienst ist täglich in der Einrichtung in der Friesenstraße vor Ort, denn hier sind auch schwer chronisch erkrankte Menschen untergebracht. „Was die Pflege hier leistet, geht weit über den Verbandswechel hinaus“, macht Klenke deutlich. „Die Fachkräfte haben einen Rundumblick für jeden Einzelfall. Sie begleiten uns morgens bei jeder Weckrunde.“

Leere Schränke in der Unterkunft Friesenstraße.

Zusammenarbeit und Engagement

Mit freien Trägern und öffentlichen Stellen wie der Bahnhofsmission, Basis & Woge, Stadtteilpolizisten, der Caritas oder dem Kältebus haben die Teams des WNP gut zusammengearbeitet: Sie haben unterkühlte Personen ins Warme gebracht, erkrankte Personen versorgt. „Wir sind froh, dass wir so gute Partner an unserer Seite hatten“, schildert Teamleitung Nadine Voß.

Auch mit anderen Einrichtungen von F&W wie dem FrauenZimmer für obdachlose Frauen, dem Übergangswohnen für pflegebedürftige Obdachlose oder dem Pik As haben die Teams eng zusammengearbeitet. Mit der Aufnahme- und Vermittlungsstelle von F&W, die die Belegung der Wohnunterkünfte steuert, konnten viele Menschen in eine feste Wohnunterkunft vermittelt werden. 

„Am Ende muss unsere Arbeit den Menschen zugutekommen. Und das haben wir immer geschafft. Die Menschen sind immer gut untergekommen“, macht Voß deutlich. „Wir können den Leuten hier auf die Beine helfen.“

Der Förderverein des Winternotprogramms e.V. hat täglich für Mahlzeiten gesorgt. In Schichten bringen die Ehrenamtlichen gespendete Lebensmittel und richten Abendessen an. Als die Standorte aufgrund des eisigen Wetters ganztags geöffnet waren, haben auch die Teams gekocht. „Die frischen Lebensmittel, besonders Obst, sorgen echt für viel Freude bei den Menschen“, so Lukas Klenke. „Was der Förderverein hier den ganzen Winter geleistet hat, ist wirklich beeindruckend.“

Schichtarbeit und schwere Tage

Die Teams arbeiten in 3 Schichten. Während draußen Schnee und Kälte tobte, waren die beiden Standorte viele Tage durchgehend geöffnet: Ein wichtiger Erfrierungsschutz für die Übernachtenden. Aber kräftezehrend für die Mitarbeitenden. 

„Wir hatten eine Mischung aus altem Stammpersonal und neuen Teammitgliedern, und alle haben hoch professionell gearbeitet, mit echter Motivation. Keiner hat den Kopf in den Sand gesteckt, obwohl es zeitweise wirklich schwer war“, so Klenke. 

„Natürlich übernachten hier auch Menschen mit Suchterkrankungen, mit Ängsten, auch Gewalt kommt vor“, so Nadine Voß. Auch Todesfälle gab es in diesem Winter. Das sind schwere Momente für Bewohner:innen und Mitarbeitende. Kriseninterventionsteams von F&W und dem DRK standen ihnen zur Seite. 

Warme Mahlzeiten gibt der Förderverein Winternotprogramm in der Unterkunft Friesenstraße aus.

Kaffee und gute Tage

Am Ende in Erinnerung bleiben viele schöne Momente. Als alle Übernachtenden beim Schneeschippen halfen, um den Eingang freizubekommen. Als die Freude über Nudelsalat besonders groß war. Als alle im Speisesaal saßen und kurzerhand gemeinsam den Saal putzten, weil sie in der Laune dazu waren. 

Morgens um 9:30 Uhr schließen die Unterkünfte, die Menschen müssen sich tagsüber woanders aufhalten. Wie bekommt man einen guten Morgen hin? „Wenn die Weckrunde gut läuft, ohne Notfälle, dann ist alles in Ordnung“, sagt Klenke. Voß ergänzt: „Wenn alle gut geschlafen haben, einen Kaffee trinken und dann nach draußen gehen und etwas vorhaben. Wenn sie es schaffen, einen wichtigen Termin wahrzunehmen oder etwas zu erledigen, was sie lange vorhatten, dann ist das ein guter Start in den Tag.“