3 Fragen an eine Sozialmanagerin
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Ich starte jeden Morgen mit einem frischen Kaffee im Büro. Danach kommen wir alle für eine kurze Teamrunde zusammen. Es werden Themen vom Abend übergeben, zukünftige Transfers (Verlegung aus der Erstaufnahme in eine öffentlich-rechtliche Unterkunft) und Neuankünfte besprochen, und wir klären, ob Gewerke kommen.
Danach checke ich meine Mails und dann geht es auch schon in die Sozialsprechstunde mit den Bewohner:innen. Hierbei geht es sehr oft darum, bei Schriftverkehr zu helfen, Arzttermine zu vereinbaren, hierfür Dolmetscher:innen zu buchen, Information zum Transfer zu und den Kita- und Schulbesuch für die Kinder in der Erstaufnahme zu organisieren.
Mittags essen wir alle im Team zusammen und tauschen uns aus. An dem Tag, an dem keine Sozialsprechstunde stattfindet, suchen wir Bewohner:innen in ihren Zimmern auf, die es nicht in die Sprechstunde schaffen, aber Hilfe brauchen, zum Beispiel, weil sie krank sind oder besondere Probleme haben.
Die Nachmittage sind mit Dokumentation und Hilfen für Bewohner:innen gefüllt, zum Beispiel Kontaktvermittlung zu Beratungsstellen oder Durchsicht eines amtlichen Schreibens, das Bewohner:innen nicht verstehen.
Meinen Feierabend verbringe ich gern mit Freunden, meinem Freund oder beim Sport.
Vor welchen Hürden stehen die Menschen, die in Deutschland ankommen?
Die Probleme, mit denen Geflüchtete konfrontiert sind, sind vielfältig.
Eins der größten Probleme ist die Sprachbarriere. Die Frage nach einem Sprachkurs ist eine der ersten, die bei Ankunft gestellt wird – um sich verständigen zu können und zu verstehen. Da der Sprachkurs aber erst mit Aufenthaltstitel möglich ist, muss ich die Menschen leider vertrösten. Außerdem ist der Wunsch zu arbeiten sehr groß, was oft nach 6 Monaten möglich ist, allerdings oftmals schwierig in der Umsetzung ohne Sprachkurs und Sprachkenntnisse.
Eine weitere Hürde ist die Mobilität. Dabei sind für uns selbstverständliche Dinge eine Herausforderung für die Geflüchteten. Wie funktioniert das Verkehrsnetz? Wo finde ich Abfahrtzeiten? Wie ist ein Fahrplan aufgebaut? Diese Dinge sind grundlegend, um zum Beispiel pünktlich zu Arztterminen zu erscheinen und eine Orientierung in der Stadt zu bekommen.
Bei der Bürokratie treten auch viele Probleme auf. Wo finde ich den Adressaten in einem Brief, wie versende ich einen Brief? Welche Fristen müssen beachtet werden? Wo finde ich die Fristen in einem Brief?
Bei all diesen Fragen und Anliegen helfe ich täglich in der Sozialsprechstunde weiter.
Seit 2025 bekommen geflüchtete Menschen ihre Sozialleistungen auf eine Bezahlkarte überwiesen – und nicht mehr als Bargeld oder per Überweisung auf ein Konto. Die Abfrage des Kontostands erfordert eine App, die eine große Herausforderung für einige Menschen darstellt, bei der ich ihnen helfe.
Welche Begegnung der letzten Wochen ist dir besonders im Kopf geblieben?
Die Geschichte einer Mutter und ihrer Tochter hat mich zuletzt sehr berührt. Die Tochter ist schwer erkrankt und dadurch dauerhaft auf Hilfe angewiesen. Dadurch war die Unterbringung in unserer Erstaufnahme, einer Gemeinschaftseinrichtung mit wenig Privatsphäre, nicht gut geeignet. Ein schnellstmöglicher Transfer war leider nicht so schnell umzusetzen.
Denn es gibt wenige freie Wohnungen in Hamburg. Deshalb werden Plätze in Wohnunterkünften mit abgeschlossenen Wohnungen nicht so oft frei. Nach 1,5 Jahren wurde die Familie verlegt. Diese Nachricht weiterzugeben und zu sehen, dass sich Mutter und Tochter freuen und wieder hoffnungsvoller in die Zukunft blicken, hat mich wirklich glücklich gemacht.
Nun sind sie in der neuen Unterkunft und an die Beratungsstelle für Behinderte und Menschen mit chronischer Erkrankung angeschlossen, was für die Familie eine große Erleichterung bedeutet.