„Anders?“ Erinnern an Opfer des NS in Wohlfahrtsanstalten
Visualisierung: ANDERS? Textinstallation, Gesamthöhe bis ca. 2,0 m
© Mannstein + Vill
Im Frühjahr 2027 soll es so weit sein: Auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsheims in Farmsen entsteht ein Erinnerungszeichen für die Opfer des Nationalsozialismus in den Hamburger Wohlfahrtsanstalten.
Ausgeführt wird es von Maria Vill und David Mannstein. Das Berliner Künstlerpaar überzeugte mit seinem Entwurf den Arbeitskreis Erinnerungszeichen, zu dem Historiker:innen, weitere Expert:innen auf dem Gebiet der Gedenkkultur und Menschen aus dem Stadtteil Farmsen gehören. Initiiert wurde der Arbeitskreis 2019 von Fördern & Wohnen (F&W) gemeinsam mit Pflegen & Wohnen Hamburg (PWHH) und der Sozialbehörde.
Eine Detailansicht der Textinstallation "ANDERS?".
© Mannstein + Vill
Wer „anders“ war, wurde entrechtet
Spiegelnde Buchstaben auf 7 schmalen Stelen bilden die Frage „Anders?“. Damit greift das Erinnerungszeichen die Zuschreibung auf, die dem nationalsozialistischen Regime dazu diente, Klient:innen der öffentlichen Fürsorge einzusperren und zu entrechten. Obdachlose, Behinderte oder Sexarbeiter:innen erfüllten nicht die ideologische Norm. „Anders“ zu sein, wurde nicht geduldet.
Wer auf die spiegelnden Buchstaben des Erinnerungszeichens schaut, sieht sich selbst – jede:r hätte damals zu den Entrechteten gehören können. Jede:n kann es treffen, wenn Willkür bestimmt, wer nicht dazugehören soll.
© Fördern & Wohnen / Heike Günther
Und heute?
Heute leben wir in einer Gesellschaft, die die Menschenwürde als höchstes Gut erachtet. Das Gelände des ehemaligen Versorgungsheims steht mit seinen Angeboten für Teilhabe und Vielfalt: Niemand ist hier „anders“, alle gehören dazu. Doch es gibt in Deutschland auch heute ideologische Kräfte, die danach streben, Menschen auszusondern. Die Frage „Anders?“ bleibt also aktuell.
© Fördern & Wohnen / Heike Günther
Der künstlerische Ansatz des Erinnerungszeichens ist zeitgemäß. Weder bildet es historische Unrechtshandlungen ab, noch dient es als Gedenkstein mit Namensinschriften. Vielmehr will es Unbeteiligten signalisieren: Achtung, hier ist ein besonderer Ort, geh nicht einfach vorüber! Eine Infotafel wird Erläuterungen geben.
Die Opfer von Verfolgung auch namentlich zu würdigen, ist an anderer Stelle vorgesehen. Im alten Wasserturm auf dem Gelände soll ein Lern- und Gedenkort entstehen.