Historie

Gedenken nach 82 Jahren

Stolperstein vor Helmuth-Hübener-Haus erinnert an Wilhelm Wilhelmsen, der in dem ehemaligen Polizeigefängnis inhaftiert war
1. September 2026
Ein Stolperstein und eine Blume

Heute Unterkunft für Wohnungslose, früher Polizeigefängnis: Das Gebäude in der Straße Hütten, das frühere Hüttengefängnis in Hamburg-Neustadt, trägt viel Geschichte. Die Nationalsozialisten inhaftierten den norwegischen Student Wilhelm Wilhelmsen im Jahr 1944 hier, anschließend starb er im Krankenhaus mit nur 21 Jahren. Ein Stolperstein erinnert nun an sein Leben.

Verhaftet und verschleppt

Im 2. Weltkrieg griff die Wehrmacht Norwegen an und besetzte es. Ein Regime des Terrors entstand. 1943 ordnete die Besatzungsmacht die Verhaftung von fast 2.000 Studierenden und Dozent:innen der Universität Oslo an, nachdem es in einer Aula gebrannt hatte und die Studierendenschaft der Brandstiftung bezichtigt war. 

1.166 von ihnen wurden festgenommen, die Universität wurde geschlossen. Die Besatzungsmacht brachte knapp 650 junge Leute im Winter 1943 / 1944 mit Schiffen in Lager.

Darunter war auch Wilhelmsen, geboren 1922 in Risør, Student der Literatur, Musik und deutschen Sprache. Auf dem Schiff erkrankte er an Diphtherie. Die Nationalsozialisten brachten ihn und weitere Erkrankte in ein Lazarett, dann in Polizeigefängnisse, zuletzt in das Polizeigefängnis Hütten, wo es ihm schlechter ging. Im März kam Wilhelmsen mit Tuberkulose ins Krankenhaus Langenhorn. Dort starb er am 26. April 1944. Insgesamt 16 weitere norwegische Studierende starben in NS-Gefangenschaft.

Wilhelmsen in Uniform.

Heute für Unterbringung da

1858 wurde das Gebäude in der Straße Hütten als Polizeigefängnis errichtet. Die nationalsozialistischen Machthaber missbrauchten es von 1933 bis 1945, um politische Gegner zu internieren, bevor sie sie in Tötungsanstalten deportierten. Beinah original erhaltene Zellen im Keller erinnern an diese Zeit.

Seit 1991 ist das heutige Helmuth-Hübener-Haus eine Unterkunft für bis zu 96 wohnungslose Männer. Hübener war ein Widerstandskämpfer, den die Nazis 1942 im Alter von 17 Jahren hinrichteten.

Die Fassade des alten Hauses

Fassade des historischen Hauses in der Neustadt.

Gedenkfeier Jahrzehnte später 

Das Grab von Wilhelmsen findet sich heute auf dem Ohlsdorfer Friedhof inmitten internationaler Gräber. Vermutlich Zwangsarbeiter:innen bestatteten seinen Leichnam im Mai 1944. 

Am 30. Mai 2026 fand im Rahmen des Projekts "Denk mal am Ort" von Kubin e. V. eine Gedenkfeier für Wilhelmsen auf dem Friedhof statt. Angehörige aus Norwegen reisten an. In einem Vortrag beleuchtete der Historiker Herbert Diercks die Vorkommnisse in Oslo und die Geschichte von Wilhelmsen. Anschließend gedachten die Teilnehmenden seiner am Grab. Die Veranstaltung wurde unterstützt vom Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme.