Unterwegs mit einer Dolmetscherin

Freiberuflich übersetzen für und mit Bewohner:innen bei F&W: Das macht es aus, so läuft es ab
22. Juli 2026
Junge Frau an einem Konferenztisch

Mit ruhiger Stimme übersetzt Julia, welche Dokumente man Vermieter:innen vor der Besichtigung schicken sollte, und welche besser nicht. Eine Frau sucht eine Wohnung. Sie spricht schon etwas Deutsch, aber Wohnungs-Vokabular ist spezifisch. Deshalb hat das Einzugs- und Begleitteam von Fördern & Wohnen (F&W) Julia hinzugeholt. Zusammen gehen sie sicher, dass die Benachrichtigungen in den Apps an sind und das Anschreiben gespeichert ist. 

Einsätze außerhalb und innerhalb von F&W

Bei Fördern & Wohnen sind freiberufliche Dolmetscher:innen überall eingesetzt. Sie sind zugegen 

  • in der Orientierungsberatung in Wohnunterkünften
  • bei speziellen Beratungsgesprächen, zum Beispiel durch das Einzugs- und Begleitteam oder die Beratungsstelle für Geflüchtete mit Behinderung oder chronischer Erkrankung
  • mit Bewohner:innen bei Arztbesuchen, Krankenhausbesuchen oder physiotherapeutischen Sprechstunden
  • Info-Veranstaltungen, ad hoc Situationen und anderes

Als ausgebildete Konferenzdolmetscherin für Russisch-Deutsch kennt Julia alles: Von Notarbesuchen über Gerichtsverfahren bis hin zu Abschiebungen. Sie begleitet Werksführungen und Delegationen. Auch Integrationskurse hat sie geleitet.

Hände halten ein Handy mit persischem Text

Ein neuer Mensch

Als Profi benötigt Julia für Einsätze bei F&W selten Vorbereitung. Sogar ohne Vorgespräch kann sie in die Situation gehen und sofort zur Seite stehen. Jeder Termin ist für sie eine Bereicherung. „Aus jedem Einsatz kommt man als neuer Mensch heraus“, sagt sie. Künstliche Intelligenz hilft mit Vokabular und Hintergrundwissen, falls Vorbereitung nötig ist. 

Terminvergabe online

Das Tool DSF vergibt die Einsätze online. Täglich kommen neue herein, PLZ, Bezirk, Uhrzeit und Anlass sind vermerkt. Julia kann mit einem Klick ihr Interesse zeigen. Anschließend verteilt das Tool fair: Zu 90 % werden diejenigen Dolmetscher:innen, die in diesem Jahr weniger Einsätze hatten, bevorzugt. Der Prozess ist automatisiert. 

Hände halten einen Flyer mit Informationen

Ruhig bleiben in schwierigen Momenten

Schwere Momente sind Teil der täglichen Arbeit. Beim Arzt bricht die Mutter einer kranken Tochter in Tränen aus. Jugendliche werden aggressiv, beschimpfen und beleidigen die Anwesenden.

Julia bleibt gelassen. „Ich halte Augenkontakt und bleibe ruhig“, schildert sie. Eingreifen tut sie nicht. Denn Dolmetschende sind „unsichtbar“, behalten ihre Meinung für sich. Sie geben weiter, was ein Mensch zum anderen sagt. Aber: Ein Gespräch ohne sie gäbe es nicht.