Vom Armenhaus zum Sozialunternehmen – 400 Jahre fördern und wohnen

fördern und wohnen wurde im Jahr 2007 als Anstalt öffentlichen Rechts gegründet. Doch die Geschichte des Unternehmens reicht 400 Jahre zurück.

17. bis 18. Jahrhundert – Gründung des Werk- und Zuchthauses

Die Versorgung von Armen und Obdachlosen wird in Hamburg ab dem frühen 17. Jahrhundert  zur städtischen Aufgabe. Vor dem Hintergrund von Reformation und 30-jährigem Krieg errichtet die Stadt 1619 am Alstertor das „Werk- und Zuchthaus“, das Armenunterkunft und Arbeitsanstalt zugleich ist.

Disziplinierung durch Arbeit

Denn die öffentliche Fürsorge verlangt eine Gegenleistung: Arbeit in den hauseigenen Produktionsstätten soll die Armen disziplinieren, von Straftaten und Bettelei abhalten und sie zu einem nützlichen Teil der Gesellschaft machen. Die Grenze zum Strafvollzug ist fließend: „Mutwillig“ Arme, wie Trinker, Spielsüchtige oder Kleinkriminelle werden zwangseingewiesen und haben keinen Ausgang. Das Personal hat die Aufgabe zu überwachen und zu disziplinieren. Bei Fehltritten verhängt es harte Strafen.

Unterkunft und Broterwerb für Arme

Für viele Menschen, die freiwillig kommen, ist das Werk- und Zuchthaus eine Chance, Geld zu verdienen, eine Unterkunft zu haben und verpflegt zu werden.

 

19. Jahrhundert – Ende des Strafvollzugs im Werk- und Zuchthaus

Trotz der organisatorischen Trennung in ein Armen- und ein Zuchthaus im Jahr 1811, änderte sich nicht viel an der Vermischung von Strafvollzug, Zwangsarbeit und Armenfürsorge.

1842 wird das Werk- und Zuchthaus am Alstertor durch den „großen Brand von Hamburg“ zerstört. 1853 errichtet die Stadt in Barmbek das neue „Werk- und Armenhaus“.

1853: Werk- und Armenhaus

Ab 1850 errichtet Hamburg ein neues Werk- und Armenhaus in Barmbek, das noch außerhalb der Stadtgrenzen liegt. Handwerks- und Landwirtschaftsbetriebe bilden die wirtschaftliche Grundlage und bieten den Insassen Arbeit. Trotz der Umbenennung bleibt der Charakter einer Zwangsanstalt bestehen. „Sittenlose“, „Faule“  oder unter „Schutzarrest“ gestellte Alkoholkranke werden weiterhin zwangsweise geschlossen untergebracht.

1866: Zweigstelle Fuhlsbüttel

1866 beziehen etwa 200 Insassen ein Arbeitshaus der ersten Zweigestelle des Werk- und Armenhauses im außerhalb von Hamburg gelegenen Fuhlsbüttel. Es handelt sich ausschließlich um „arbeitsfähige Insassen“. Als 1879 nebenan das neue Hamburger Zentralgefängnis eröffnet, wird ihm die Zweigstelle zugeordnet, womit die Haftvollstreckung im Werk- und Zuchthaus endet.

1879: Haus Huckfeld

Auf dem „Huckfeld“ bei Hittfeld entsteht 1879 ein Werk- und Armenhaus, in dem bis 1930 vor allem Waisen wohnen. Als das Gebäude 1937 in Hamburger Besitz übergeht, ist es seit kurzer Zeit ein Pflegeheim. Über den 2. Weltkrieg wird es als Ausweichkrankenhaus genutzt und danach als Heim für pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung.

Bis in die 1980er Jahre leben sie von ihrer Umgebung abgeschirmt, tragen Heimkleidung und werden nach Maßstäben der Pflege betreut. Ab 1985 baut man Haus Huckfeld zu einer pädagogischen Einrichtung der Behindertenhilfe um und stellt das Betreuungskonzept neu auf. Aus Schlafsälen werden kleine Wohnbereiche für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung.

Die Stärkung individueller Fähigkeiten, das Recht auf Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe rücken in den Mittelpunkt.

Mehr erfahren: Wohnen für Menschen mit Behinderung in Huckfeld

Ende des Strafvollzugs

Die Aufgabe der Haftvollstreckung endet jedoch erst 1879, als die Fuhlsbüttler Zweigstelle in die Zuständigkeit des nebenan errichteten neuen Hamburger Zentralgefängnisses übergeht.

 

Beginn des 20. Jahrhunderts – 1. Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise

Nach 1. Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise steigt die Zahl der Menschen, die auf öffentliche Fürsorge angewiesen sind, extrem an. Die Stadt reagiert mit einer Verwaltungsreform: 1919 wird das Werk- und Armenhaus in „Staatliches Versorgungsheim“ umbenannt. 1920 folgt die Gründung des Wohlfahrtsamtes, der Vorgängerinstitution der heutigen Sozialbehörde. Die ihr zugeordneten Einrichtungen heißen jetzt „Wohlfahrtsanstalten“ und werden umfassend ausgebaut.

Fortschrittliches Wohnen für Senioren

In Groß Borstel eröffnet 1929 Deutschlands modernstes Altersheim. Während in einigen Anstalten die Qualität der Unterbringung und Betreuung steigt, wird in anderen das Prinzip der angeordneten Zwangsfürsorge verfestigt.

Polizei-Asyl für Obdachlose

Die schon 1913 eröffnete, städtische Notübernachtungsstätte für Obdachlose, das heutige Pik As, untersteht bis in die 30er-Jahre der Polizeibehörde.

1913: Pik As

Deutschlands älteste Obdachlosenunterkunft entsteht 1913. Sie ist der Polizeibehörde unterstellt und wird von wohlhabenden Bürgervereinen mitfinanziert. Das Polizei-Asyl („P.As.“) ist nicht nur wohltätig. Es soll „Stadtstreicher, Hafenlöwen und Tippelbrüder“ kontrolliert beherbergen.

Im Nationalsozialismus geht das Pik As an die Sozialbehörde über. An dem Charakter der Einrichtung ändert das nichts. Es kommt zu Verhaftungen und Deportationen. Nach dem 2. Weltkrieg öffnet man das Haus für die leidende Bevölkerung. Ende der 50er-Jahre erhält es seine bis heute gültige Bestimmung als Not-Übernachtung für obdachlose Männer.

Spätestens seit den 70ern arbeiten vermehrt Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der Einrichtung. Sie beraten über Hilfsangebote und Wege aus der Obdachlosigkeit. Obdachlose Frauen finden seit 2001 im FrauenZimmer in Hohenfelde eine Anlaufstelle.

Mehr erfahren: Übernachtungsstätte für obdachlose Männer

1929: Groß Borstel

Das von Oberbaudirektor Fritz Schumacher entworfene Altersheim Groß Borstel ist zu seiner Eröffnung 1929 deutschlandweit einzigartig innovativ: Es gibt ausschließlich Einzelzimmer, zum Teil mit Kochnische, und Doppelzimmer für Paare. Fließend Wasser in allen Zimmern und wohnzimmerähnliche Gemeinschaftsräume bieten viel Komfort. Ältere Menschen, für die eigenständiges Wohnen nicht mehr erschwinglich ist, sollen hier so selbstständig wie möglich leben.

Dieser Ansatz gilt bis heute: In dem denkmalgeschützten Gebäude mieten Seniorinnen und Senioren barrierearme 1- und 2-Zimmer-Wohnungen an. Sie können auf zahlreiche Service-Angebote zurückgreifen und sich an Kultur- und Freizeitangeboten beteiligen.

Mehr erfahren: Senioren-Wohnen in Groß Borstel

     

Mitte des 20. Jahrhunderts – Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Menschen, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen, kommen – meist unfreiwillig – ins Versorgungsheim Farmsen. Die große Zweigestelle ist seit 1904 in Betrieb. Um die Öffentlichkeit vor ihnen zu „schützen“ werden Alkoholkranke, Prostituierte, „Asoziale“ und Menschen mit Behinderung zwangseingewiesen und geschlossen untergebracht. Sie werden entmündigt, zu harter Arbeit auf dem Feld oder in den Anstaltsbetrieben gezwungen und körperlich gezüchtigt.

Verbrechen im Nationalsozialismus

Während des Nationalsozialismus intensiviert man diese Praxis, auch Jugendliche, die sich der Hitler-Jugend verweigern, und Homosexuelle werden in Farmsen interniert. Das Versorgungsheim lässt Menschen zwangsweise sterilisieren und überstellt sie an Einrichtungen, von denen Transporte in Tötungsanstalten führen.

Die Erinnerung an diesen Missbrauch städtischer Sozialeinrichtungen hält fördern und wohnen wach. Wir haben gemeinsam mit Pflegen & Wohnen Hamburg die Initiative ergriffen, auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsheims Farmsen einen Erinnerungsort zu gestalten.

Große Wohnungsnot nach dem Krieg

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt ein völlig zerstörtes Hamburg, die Wohnungsnot ist massiv. Die Bevölkerung kommt in Behelfsunterkünften wie „Nissenhütten“ und in ausgedienten Kasernen unter.

1904: Versorgungsheim Farmsen

1904 geht im ländlichen, aber zu Hamburg gehörigen Farmsen, die große Zweigstelle des Werk- und Armenhauses in Betrieb: ein Komplex aus Wohn- und Verwaltungsgebäuden sowie Handwerks- und Landwirtschaftsbetrieben mit Anbauflächen.

1930 leben dort etwa 1.400 Menschen, die durch Arbeitsmaßnahmen „rehabilitiert“ werden sollen. Tatsächlich entsteht ein Ort der Zwangsfürsorge: Obdachlose, Suchtkranke, Prostituierte, Menschen mit Behinderung, „Asoziale und Schwachsinnige“ bringt man zunehmend geschlossen unter. Wer sich nicht fügt, wird hart bestraft.

Während des Nationalsozialismus werden in Farmsen über 1.200 Frauen zwangssterilisiert. Ab 1940 werden Insassinnen und Insassen an Einrichtungen überstellt, von denen aus sie in Konzentrationslager oder Tötungsanstalten des „Euthanasie“-Programms deportiert werden. Der damalige Leiter der Hamburger Anstalten, in dessen Verantwortung dies alles geschieht, bleibt bis 1950 im Amt.

Heute befinden sich auf dem Gelände ein Pflegeheim, eine Kindertagesstätte sowie Einrichtungen von f & w für Menschen mit Handicap und Geflüchtete. Das Farmsener Gelände wird derzeit umgebaut, Wohnungen entstehen. Ein Erinnerungszeichen an die Opfer der NS-Verbrechen ist in Vorbereitung.

Mehr erfahren: Wohnen in Farmsen für Menschen mit psychischer Erkrankung

1945: Nissenhütten

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrscht im ausgebombten Hamburg extreme Wohnungsnot. Die Bevölkerung – vom Kriegsversehrten bis zum Waisenkind – kommt in Behelfsunterkünften unter.

Bis zu 42.000 Menschen leben in den sogenannten Nissenhütten: die schnell zu errichtenden, 50 Quadratmeter großen Hütten aus Wellblech und Holz sind nach ihrem Erfinder Peter Norman Nissen, einem kanadischen Offizier, benannt. Das Leben in den Hütten ist hart: Bis zu 25 Personen teilen sich den Platz. Im Winter ist es extrem kalt, im Sommer glühend heiß. 1951 leben noch 14.000 Menschen in den Provisorien.

1949: Sachsenwaldau

1949 erwirbt Hamburg das Grundstück, dessen Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen, sowie den angrenzenden Gutsbetrieb. In der „Trinkerheilstätte“ Heinrich-Eisenbarth-Heim werden nicht-pflegebedürftige, alkoholkranke Männern untergebracht, um die vollen Pflegeeinrichtungen in Hamburg zu entlasten. Der Ort wirkt lange wie eine geschlossene Einrichtung.

Zu Beginn der 80er-Jahre werden die Aufgaben der Trinkerheilstätte abgegeben und neue Konzepte für den Umgang mit Sucht und psychischer Erkrankung entwickelt.

Heute schafft man gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten eine sinnvolle Tagesstruktur und fördert ihre Teilhabe an der Gesellschaft – als Vorbereitung auf ein suchtmittelfreies Leben.

Mehr erfahren: Hilfe bei Sucht und psychischer Erkrankung

     

1960er – Reformen


1962 tritt das Bundessozialhilfegesetz in Kraft. Ab jetzt besteht ein Rechtsanspruch auf staatliche Hilfe für alle Menschen, die in einer Notlage sind. Mitsprache und Mündigkeit der Betroffenen rücken in den Fokus. Darunter fallen nicht mehr nur Arme oder Mittellose, sondern auch Menschen mit Behinderung. Im Gesetz ist die Eingliederungshilfe erstmals verankert. Die Unterstützung richtet sich nach dem individuellen Bedarf und ist nicht mehr an Gegenleistungen gebunden.

Es folgen weitere Reformen: 1968 erkennt das Bundessozialgericht Alkoholismus als Krankheit an. 1969 etabliert Hamburg als erstes Bundesland die Mitsprache von Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegeheime in Heimbeiräten.

Neue Wohnsiedlungen für Obdachlose

Die allgemeine wirtschaftliche Situation in der Stadt wird immer besser, und die wohlhabender werdende Gesellschaft nimmt Obdachlosigkeit zunehmend als soziale Herausforderung wahr. Bis 1970 entstehen in Hamburg 7 Wohnsiedlungen für obdachlose Familien. Die Wohnsituation ist beengt bis prekär, so dass man sich verstärkt darauf besinnt, obdachlose Menschen in regulären Wohnraum zu vermitteln und dabei intensiv sozialpädagogisch zu begleiten.

     

1990er – Neue Strukturen

Anfang der 1990er-Jahre suchen innerhalb kurzer Zeit hunderttausende Menschen in Deutschland Schutz vor den Jugoslawien-Kriegen und anderen Konflikten. Hinzu kommen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des Warschauer Paktes Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler aus der Sowjetunion und Übersiedlerinnen und Übersiedler aus der ehemaligen DDR.

In Hamburg verdoppelt sich die Zahl der Asylsuchenden binnen eines Jahres von rund 19.700 in 1992 auf 42.000 im Folgejahr.

Für ihre Unterbringung sind die direkten Vorgänger-Institutionen von fördern und wohnen zuständig: Zunächst das Amt für Heime, ab 1991 der Landesbetrieb Pflegen und Wohnen und ab 1997 die Anstalt öffentlichen Rechts Pflegen und Wohnen AöR.

Maßnahmen gegen Obdach- und Wohnungslosigkeit

Pflegen und Wohnen betreibt die städtischen Alters- und Pflegeheime, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Unterkünfte für Wohnungslose. Da diese Unterkünfte nicht ausreichen, kommen Asylsuchende provisorisch in Turnhallen, auf Campingplätzen, in Bunkern und auf Wohnschiffen unter. Gleichzeitig entstehen die ersten Containeranlagen und Pavillondörfer, und Hamburg führt 1992 das Winternotprogramm für Obdachlose ein.

Schrittweise Verbesserung der Wohnsituation…

Seit 1987 beschäftigt das Amt für Heime eine eigene Bauabteilung, die die Errichtung neuer Standorte begleitet und für ihre Instandhaltung zuständig ist. Zunehmend gelingt es, Gemeinschaftsunterkünfte abzubauen und Geflüchtete in Unterkünften mit wohnungsähnlichen Grundrissen unterzubringen. Auch für die Verwaltung und den Betrieb der Unterkünfte sind Mitarbeitende des Amtes und später des Landesbetriebs zuständig.

… und der sozialen Beratung

Die „Sozialen Dienste“ sind bis 1996 bei der damaligen Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales (BAGS) angesiedelt. Sie gehen im selben Jahr an Pflegen und Wohnen über, das 1997 in eine Anstalt öffentlichen Rechts überführt wird.

Nach der Integration der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den Unterkunftsalltag wird der Personalschlüssel schrittweise angehoben und die Qualität der Sozialarbeit verbessert: Das Unterkunfts- und Sozialmanagement in den Unterkünften unterstützt die Bewohnerinnen und Bewohner zunehmend beim eigenverantwortlichen Wohnen und stärkt ihre Selbstbestimmung.

Ungelöste Probleme

Organisatorische und wirtschaftliche Probleme, die in den 90er-Jahren insbesondere den Pflegebereich belasten, bleiben trotz der Umstrukturierungen ungelöst.

1989: Wohnschiff Casa Marina

Das erste Wohnschiff „Casa Marina“ legt 1989 in Altona an, um Übersiedlerinnen und Übersiedlern aus der ehemaligen DDR aufzunehmen. In den Folgejahren setzt die Stadt zunehmend auf schwimmende Unterkünfte und nutzt sie als Erstaufnahmen sowie teilweise als Winternotprogramm.

Von 1989 bis 2006 gibt es insgesamt 12 Wohnschiffe mit je 200 bis 650 Plätzen, die in Harburg und Altona liegen. Ab Mitte der 90-er Jahre gehen die Flüchtlingszahlen zurück. Viele Schiffe werden geschlossen, die Casa Marina schon 1993.

Die Zentrale Erstaufnahme „Bibby Altona“ ist am längsten in Betrieb. Sie verlässt Hamburg erst 2006. 2015 macht erneut ein Wohnschiff in Hamburg fest: Die „Transit“ mit bis zu 216 Plätzen.

1990: Containerdorf Harksheider Straße

Das 1. Containerdorf entsteht mit 492 Plätzen an der Harksheider Straße. Die 1-geschossigen Bauten können schnell errichtet werden: das Grundstück erschlossen, die Containermodule angeliefert und aufgebaut. Sie haben jeweils 2 Wohneinheiten mit 3 Zimmern, Küche und Sanitärraum.

An anderen Standorten und auch zwischen 2013 und 2016 werden zur kurzfristigen Unterkunftsversorgung Wohncontainer mit Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftssanitärräumen erstellt.

Heute sind keine Containerdörfer aus den 90ern mehr in Betrieb. Später erstellte Containerwohnanlagen werden weitgehend rückgebaut.

1991: Pavillondorf Hemmingstedter Weg

1991 geht das 1. Pavillondorf mit 422 Plätzen am Hemmingstedter Weg in Betrieb. Die Holzrahmenbauten bestehen aus vorgefertigten Elementen und werden zur Unterscheidung der Containerstandorte als „Pavillon" bezeichnet. Die 1-geschossigen Gebäude haben jeweils 2 Wohneinheiten mit 3 Zimmern, Küche und Duschbad/WC und sind von besserer Wohnqualität als die Containermodule.

Das Pavillondorf Hemmingstedter Weg wird 2004 geschlossen. Ab 1992 wird mit dem Bau 2-geschossiger Pavillondörfer begonnen, wobei diese pro Geschossebene 6 Wohnräume, 1 Gemeinschaftsküche sowie 2 Sanitärbereiche haben. Von diesen 16 Standorten, die ursprünglich für nur 5 Jahre genehmigt waren, bestehen bis heute noch 8.

1992: Winternotprogramm

Seit 1992 gibt es das Hamburger Winternotprogramm (WNP) für obdachlose Menschen. Die Übernachtungsplätze werden zwischen November bis März an wechselnden Standorten angeboten und zum Teil nur provisorisch hergerichtet: Auf Wohnschiffen, in ungenutzten Schul- und Bürogebäuden und für kurze Zeit im Bunker unter dem Hachmannplatz.

Gleich bleibt: Es gibt ein Bett für die Nacht – für alle, die sonst draußen schlafen müssten. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter beraten die Menschen und vermitteln in dauerhafte Unterkünfte. Freiwillige des Fördervereins geben Mahlzeiten aus Essensspenden aus. Seit 2011/12 schlafen Frauen und Paare in separaten Bereichen.

2016 zieht das WNP dauerhaft in eine ehemalige Flüchtlingsunterkunft in der Friesenstraße.

Mehr erfahren: Winternotprogramm für Übernachtungen

    

Frühe 2000er – Entstehung von fördern und wohnen

Anfang der 2000er-Jahre führt ein Regierungswechsel in Hamburg dazu, dass die Privatisierung der unterfinanzierten städtischen Pflegeheime sowie der Einrichtungen der Eingliederungshilfe eingeleitet wird. Der Pflegebereich wird in eine GmbH überführt und 2006 verkauft. Die verbleibende AöR erhält 2007 den Namen f & w fördern und wohnen AöR. Geschäftsführer wird Dr. Rembert Vaerst. 2008 wird die Privatisierung der Eingliederungshilfe gestoppt. Ihre Angebote werden stattdessen fachlich und organisatorisch weiterentwickelt. Da kaum noch Asylsuchende nach Hamburg kommen, werden viele Unterkünfte geschlossen.

 

2010er – Herausforderung „Flüchtlingskrise“

Als 2011 der Bürgerkrieg in Syrien beginnt, nimmt die Zahl von Zufluchtsuchenden in Deutschland  wieder zu. Mitte der 2010er-Jahre sind weltweit über 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Immer mehr Menschen suchen Schutz in Hamburg. Im Spätsommer 2015 kommen täglich mehrere Hundert Geflüchtete in der Stadt an. Mitte September 2015 befinden sich rund 15.000 Asylsuchende in Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen. Ende 2012 waren es nur knapp 400.

Die Standorte sind schnell überlastet. Monatelang werden teils über Nacht neue Standorte in leerstehenden Baumärkten oder auf Parkplätzen eröffnet. Die Erstaufnahme Schnackenburgallee wächst zu Hamburgs größter Flüchtlingsunterkunft mit zeitweise rund 2.500 Menschen heran. In der ganzen Stadt wird nach Flächen und Gebäuden gesucht, und ein intensives Bauprogramm beginnt.

Aufbau des Projekt- und Immobilienmanagements

f & w baut seine Abteilung Gebäudemanagement zum Projekt- und Immobilienmanagement aus, das seit 2015 von einem weiteren Geschäftsführer, Roberto Klann, geleitet wird. Auch in allen Bereichen wird Personal aufgestockt. Die Welle der Hilfsbereitschaft in Hamburg ist enorm. Zeitweise engagieren sich über 4.000 Freiwillige in den Unterkünften.

Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe

Während die „Flüchtlingskrise“ die öffentliche Wahrnehmung dominiert, entwickelt f & w das Angebot für Menschen mit Handicap entscheidend weiter.

In Farmsen werden stationäre Angebote in ambulante umgewandelt und geben Menschen mit psychischer Erkrankung mehr Selbstbestimmung dank eigener Haushalte in Wohngemeinschaften oder Mietwohnungen.

2014 legt f & w den Grundstein für das Wohnhaus Hermann-Westphal-Straße, den ersten Wohnungsneubau im Geschäftsbereich Begleitung und Teilhabe. Und unterzeichnet die „Rahmenvereinbarung Eingliederungshilfe“: Sie greift die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention auf und schafft mit einem festen Trägerbudget Finanzierungssicherheit und Gestaltungsfreiheit für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

2012: Erstaufnahme Schnackenburgallee

Als die Kapazitäten der Zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende in der Sportallee dauerhaft erschöpft sind, plant man zu ihrer Entlastung 300 Plätze auf dem „Parkplatz Braun“ am HSV-Stadion.

In den nächsten Jahren wächst der Standort zu Hamburgs größter Flüchtlingsunterkunft heran: Im Sommer 2015 hat „die Schnacke“ eine Kapazität von 2.400 Plätzen. Neben Containern reihen sich Zelte, in denen Asylsuchende auch über den Winter ausharren müssen. Die Bedingungen sorgen für Frust unter den Geflüchteten, belasteten die Mitarbeitenden und ziehen großes öffentliches Interesse auf sich.

Nach und nach ziehen die Geflüchteten aus, 2018 wird die „Schnacke“ geschlossen.

Mehr erfahren: Erstaufnahme für Asylsuchende

2014: Wohnhaus Hermann-Westphal-Straße

Im ersten Wohnungsneubau für Menschen mit Handicap entstehen in Wilhelmsburg Einzelapartments, die an Personen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung vermietet werden. Sie leben weitgehend selbstständig und können nach Wunsch das im Haus ansässige ambulante Assistenzteam in Anspruch nehmen. Die Mieterinnen und Mieter gestalten ihr Zusammenleben aktiv mit.

Im Bezirk Wandsbek baut f & w in den Folgejahren 3 weitere Neubauten mit Wohnungen für Menschen mit psychischer Erkrankung. Überall sind offene Treffpunkte für den Austausch mit der Nachbarschaft angebunden.

Mehr erfahren: Wohnungen für Menschen mit Handicap

2015: Hamburger Messehallen

Im Sommer 2015 kommen an manchen Tagen bis zu 500 Asylsuchende in Hamburg an. Die Erstaufnahmen und sämtliche Provisorien sind überfüllt.

Als letzte Maßnahme, um den Menschen eine Obdach zu geben, schafft die Stadt von Anfang August bis Ende September 1.200 Plätze in Hallen der Hamburg Messe. Zahlreiche Mitarbeitende aus der Zentrale von f & w unterstützen vor Ort mit – genauso wie hunderte freiwillige Helferinnen und Helfer.

   

Gegenwart – Neue Aufgaben

Ende 2016 geht Geschäftsführer Dr. Rembert Vaerst in den Ruhestand. Seitdem führt, neben Roberto Klann, Dr. Arne Nilsson fördern und wohnen als Sprecher der Geschäftsführung das Unternehmen. Im selben Jahr ändert die Hamburger Bürgerschaft das Anstaltserrichtungsgesetz für f & w: Das Unternehmen soll in den Bau von Sozial- und freifinanzierten Wohnungen einsteigen.

Wohnungsbau und sozial gemischte Quartiere

2019 ist der Kapazitätsaufbau in Hamburg geschafft: Alle Menschen aus den Erstaufnahmeeinrichtungen, die Anspruch auf Unterbringung in einer Wohnunterkunft haben, bekommen einen Platz. Die prekären Großstandorte sind abgebaut. In Neubauwohnungen, wie der Unterkunft mit der Perspektive Wohnen Am Gleisdreieck,  werden Geflüchtete auf das Leben im eigenen Wohnraum vorbereitet.

Das Projekt- und Immobilienmanagement von f & w widmet sich zunehmend dem Wohnungsbau und schafft an der Ohlendiekshöhe und am Hafenbahnpark große, sozial gemischte Quartiere. fördern und wohnen bietet hier erstmals Mietwohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt an.

Stärkung der Bewohner-Beteiligung

Was in den Angeboten für Menschen mit Handicap schon lange selbstverständlich ist, hält Einzug in den Unterkünften für Geflüchtete: Die Beteiligung und Mitsprache von Bewohnerinnen und Bewohnern wird bereichsübergreifend gestärkt.

2016: Unterkunft mit der Perspektive Wohnen Am Gleisdreieck

Eine 2.500 Plätze starke Neubausiedlung für Geflüchtete: Am Gleisdreieck wird Ende Dezember die größte Unterkunft mit der Perspektive Wohnen belegt.

Geflüchtete mit sicherer Bleibeperspektive werden hier aktiver als in den Wohnunterkünften auf das Leben in den eigenen 4 Wänden vorbereitet. Ab 2019 gehen die Wohnungen nach und nach in den allgemeinen Wohnungsmarkt über, um eine Durchmischung des Quartiers zu erreichen.

Mehr erfahren: Unterkünfte mit der Perspektive Wohnen

2020: Baubeginn Hafenbahnpark

Ab 2020 baut fördern und wohnen auf der Veddel ein sozial gemischtes Wohnquartier. Es ist das zweite große Bauvorhaben dieser Art, nach dem 2017 in Betrieb gegangenen Quartier Ohlendiekshöhe mit 316 Wohnungen, das f & w selbst baut und verwaltet.

Der „Hafenbahnpark" wird 350 Wohnungen für vielfältige Zielgruppen bieten. Es entstehen überwiegend öffentlich geförderte Wohnungen – auch für Menschen, die es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer haben – sowie ein geringer Anteil frei finanzierter Wohnungen. Zum Quartier gehören auch kleine Läden. Es soll 2024 fertiggestellt werden.

fördern und wohnen
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